oder – wie man in 10 Tagen online 82.000 $ Spenden einnimmt
von Ehrenfried Conta Gromberg

In 10 Tagen mehr als 82.000 $
Von Freitag, dem 18. April bis Montag, den 28. April 2008 lief die Spring Fundraising Campaign von FolkAlley.com. Innerhalb von 10 Tagen sammelte der amerikanische Non Profit Radiostreamer über 82.000 $ online ein. Dies sind über 8.000 $ am Tag.
Die Kampagne endete vor einer Woche. Die letzten Zahlen stammen vom 04.05. Damit sind die Ergebnisse hier bei Fundraising innovativ fast Echtzeit. Am Tag nach Ende der Kampagne, am 30.04. interviewten wir Linda Fahey, um uns die Hintergründe zu dieser sympathischen Kampagne schildern zu lassen.
Wer ist FolkAlley.com?
FolkAlley.com ist ein Non Commercial Onlinesender und ein Vorbote, dass die terrestischen Sender viel Boden verlieren werden. Oder anders ausgesprochen: Sie können sich bei FolkAlley.com rund um die Uhr kostenlos über Internet die beste derzeit hörbare Folkmusik holen. Reinhören?
www.folkalley.com
Gegründet wurde FolkAlley.com 2003 von WKSU. WKSU steht eigentlich für „Kent State University Radio Workshop“ und startete 1950 als Studentenradio der Kent State University von Ohio, USA. Inzwischen betreibt die Kent State University über WKSU hochprofessionell mehrere Radiosender als Non Profit Projekte. Einerseits, um Medienstudenten realistische Ausbildungsumgebungen zu bieten, andererseits um nichtkommerzielle kulturelle Zugänge zu schaffen.
FolkAlley.com ist einer dieser hochfocussierten Zugänge. 24 Stunden rund um die Uhr streamt FolkAlley.com hochspezialisiert nur eine einzige Art von Musik: Folk Musik.
Kennzeichen von FolkAlley.com

  • Listener founded Non Profit Service
  • Spielt nur Folk Musik (aber die Feinste)
  • Wird online in 150 Ländern gehört
  • Derzeit 87.000 registrierte Hörer
  • Internetstream und Internetcommunity
  • Open Mic = Nachwuchsmusiker publizieren ihre Songs online
  • Internetkonzerte, um Bands bekannt zu machen

Die Mission von FolkAlley.com
Der Erfolg von FolkAlley.com geht unter anderem auf die klare Mission zurück. Die Betreiber wissen, warum sie den Sender betreiben. Hier eine kurze Zusammenfassung der Kernaussagen aus der Kampagne:
Es gibt keine Folk Musik mehr in normalen kommerziellen oder öffentlichen Radios. Angesagt ist HipHop, Pop und alles was Geld bringt. Die echte, handgemachte Musik hat keinen Platz mehr. Junge Folkmusiker haben keine Möglichkeit mehr, bekannt zu werden. Dafür braucht es eine eigene Community. „A place where to celebrate this special kind of music.“

  • you want the real thing?
  • the sweetest music, money can buy?
  • music that is no entertainment, it´s a ressource?
  • no pop music blenders?
  • music, you can´t find on i tunes?

Mission der Hörer von FolkAlley.com

  • let´s be a revolution
  • let´s bring this music into the future
  • support the music you love
  • bring the folk music to the world

Dazu passen die Testimonials von Folk Musikern während der Kampagne.
„We need music and informations, that are not bottom line driven. We need better culture. FolkAlley gives people the option to reflect.“
Der Aufbau des Fundraisings
Da der Sender von den Hörern durch Spenden finanziert wird, gibt es zwei Ebenen, auf denen das Fundraising stattfindet. Beide Ebenen des Fundraisings von FolkAlley waren von Anfang an 100 % Online aufgebaut. Siehe dazu auch das Interview „We do it strictly online“.
Membership
Members sind bei FolkAlley Spender, die mehr als 60$ pro Jahr spenden. Davon gibt es 2.200 (Zahl vor der Kampagne). Members haben bei FolkAlley einen hohen Status. Sie können sich z.B. im Membershipbereich die Streams der Internetkonzerte downloaden. Andere Hörer können die Konzerte nur hören. Folk Alley erhält pro Jahr etwa 2.600 Spenden (die meisten während der Kampagnen). Nur 20% der Spenden liegen unter 60 $ pro Jahr.
Campaigns
Es gibt im Jahr 3 feste klar begrenzte Fundraisingkampagnen.

  • Spring Fundraising Campaign (Frühlingskampagne)
  • Fall Fundraising Campaign (Herbstkampagne)
  • Holiday Fundraising Campaign (Weihnachtskampagne)

Die Spring Fundraising Campaign 2008
Im Folgenden beschreiben wir den Aufbau der Frühlingskampagne.

  • Start 18. April 2008
  • Ende 28. April 2008
  • 100.000 $ wird offiziell als Ziel kommuniziert

Text auf der Startseite während der Kampagne
Folk Alley’s Spring Fund Drive is upon us and we need to raise $100,000 by the end of the month to pay our bills. Please help us keep Folk Alley the place on the web for everyone to discover and enjoy the great wealth of Folk Music we are so lucky to have! As a non-profit, listener-supported service – every dollar donated goes directly towards keeping the quality mix of Folk Music streaming to you 24-7. Donate today!
Wofür wird gespendet?
Ganz einfach:
Damit FolkAlley seine Rechnungen bezahlen kann. Damit der außergewöhnliche Service von FolkAlley.com bestehen bleibt. Damit die Internetkonzerte weiter stattfinden können (Kosten pro Jahr 10.000 $ für die Produktion der Konzerte – dies war die einzige Einzelposition, die ausdrücklich erwähnt wurde).
Ergebnisse der Kampagne
Tag     Spenden
27.04.08: 74.917 $
28.04.08 = Ende der Kampagne: 81.122 $
30.04.08: 87.602 $
02.05.08: 89.878 $
03.05.08: 90.628 $
10.05.08: 95.402 $
Zeitpunkt     Registrierte Hörer
Vor dem Start: 86.706 Hörer
28.04.08: 87.185 Hörer
Während Kampagne wuchs die Zahl der registrierten Hörer um 479. Auch neue Mitglieder wurden gewonnen. Diese Zahl stand zum Zeitpunkt dieses Artikels aber noch nicht fest. Erfahrungen aus den letzten Kampagnen zeigten aber: Ca. 40% der Spender aus einer Kampagne sind Erstspender.
Besonderheiten der Kampagne
Normalerweise ist auf FolkAlley wenig Moderation zu hören. Der Sender ist frei von Werbung. Während der 10 Tage der Fundraising Campaign wurde vor jedem Stream längere Anmoderationen vorgeschaltet. Hier wurde das Ziel der Kampagne (100.000 $) genannt, der Non Profit Charakter von Folk Alley erklärt und bekannte sowie unbekannte Folkgrößen äußerten sich zur Bedeutung von FolkAlley.
Wer spendete, konnte ab dem Moment der Spende im internen Bereich von Folk Alley einen Stream hören, in dem diese Anmoderationen nicht mehr vorkamen. Dies ist ein Vorgehen, wie sie in der derzeitigen Mailing Praxis deutscher Organisationen gänzlich unbekannt ist: Wer gespendet hat, wird ab dann nicht mehr auf eine Spende angesprochen.
 

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