von Jörg Eisfeld-Reschke

Ist Crowdfunding eine Option für gemeinnützige Organisationen?

Beim Crowdfunding ergibt eine Vielzahl von kleinen finanziellen Beiträgen den notwendigen Gesamtbetrag zur Realisierung eines Projekts. Alle Interessierten können das Projekt finanziell unterstützen und erhalten für ihren Beitrag eine Gegenleistung.
Für die Abwicklung der Projektdarstellung und der Finanztransaktionen haben sich Crowdfunding-Plattformen etabliert. Genutzt wird diese Finanzierungsform bislang vor allem von Projekten aus dem Kreativ- und Kulturbereich. Es gibt allerdings schon erste Buchprojekte und Unternehmensgründungen, die erfolgreich über Crowdfunding finanziert wurden. Gemeinsam ist diesen Projekten, dass die Initiatoren Einzelpersonen oder kleine Initiativen sind.

Crowdfunding unattraktiv für den gemeinnützigen Bereich?

Man könnte meinen, dass Crowdfunding für den gemeinnützigen Bereich unattraktiv ist. Zum einen fällt Mehrwertsteuer an, wenn die Unterstützer eine Gegenleistung in Form einer Prämie erhalten, wie es beim Crowdfunding üblich ist. Zum anderen kommt Crowdfunding aus dem Bereich der Schwarmfinanzierung, bei dem die Beiträge eher im Micropayment-Bereich angesiedelt sind.
Hier zeigen jedoch die Ergebnisse der Crowdfunding-Studie des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) ein ganz anderes Bild: Der durchschnittliche Unterstützungsbeitrag liegt der Studie zufolge bei 79 Euro. Von Micropayment kann da keine Rede mehr sein. Für gemeinnützige Einrichtungen kann der Einsatz des Crowdfunding im Fundraising also durchaus eine Option sein.

Prämien im Fundraising-Konzept

Der Einsatz von Incentives im Fundraising ist gründlich erprobt und einige Studien belegen ihre positive Wirkung auf das Spendenverhalten: Menschen spenden mit Incentives eher und mehr. Der Einsatz von Prämien ist elementarer Bestandteil von Crowdfunding. Projektinitiatoren legen zu Beginn fest, für welche Beträge bestimmte Prämien angeboten werden. Potenzielle Unterstützer werden die Höhe ihres Beitrages auch daran festmachen, welche Prämien sie als Gegenleistung erhalten. Es kommt also bei der Konzeption darauf an, einzigartige Prämien zu entwickeln, die sowohl auf der ideellen als auch auf der monetären Ebene motivieren.
Musiker, die ein Album über Crowdfunding finanzieren, haben es einfach. Ihren Fans können sie beispielsweise eine Namensnennung im Booklet, eine signierte CD oder ein Wohnzimmerkonzert anbieten. Der finanziell größten Spende entspricht die  wertvollste Prämie. Im karitativen Bereich gemeinnütziger Einrichtungen fehlen vergleichbare Prämien. Soll Crowdfunding jedoch dazu dienen, einzelne Umfeldprojekte zu finanzieren, wie zum Beispiel ein Sommerfest oder eine Dokumentation zum Vereinsjubiläum, ist die Entwicklung geeigneter Prämien kein Problem.

Welche Chancen bietet Crowdfunding ür gemeinnützige Projekte?

Die ersten deutschsprachigen Crowdfunding-Plattformen entstanden im Sommer 2010. Im ersten Jahr wurden laut ikosom 208.000 Euro erfolgreich umgesetzt. Drei Monate später waren es bereits 454.000 Euro. Die Bekanntheit von Crowdfunding als neuer Finanzierungsform nimmt aktuell deutlich zu und erhöht die Aufmerksamkeit potenzieller Unterstützer.
Crowdfunding wird sicherlich nicht andere Fundraising-Instrumente verdrängen. Vielmehr handelt es sich um eine Erweiterung der Fundraising-Palette, mit der neue Zielgruppen angesprochen werden können. Es besteht die Chance, Erstspender zu binden und mit Prämien an höhere Spendenbeträge heranzuführen. Das gilt vor allem für solche Spender, die nicht nur einer altruistischen Motivation folgen, wenn sie in ein Crowdfunding-Projekt investieren.

Was man beim Crowdfunding beachten sollte

Besonderes Fingerspitzengefühl ist bei der Festlegung des Finanzvolumens und des Finanzierungszeitraums für das Crowdfunding-Projekt gefragt. Am besten informiert man sich zunächst über andere erfolgreiche Projekte und über Projekte, die dem eigenen ähnlich sind. Von Interesse dürften dabei die Kommunikationsinstrumente und die Häufigkeit ihres Einsatzes sein. Es reicht nicht aus, ein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform vorzustellen und darauf zu vertrauen, dass es nach neunzig Tagen vollständig finanziert ist. Es ist notwendig, auf den vorhandenen Kanälen immer wieder Aufmerksamkeit zu erzeugen und bereits gewonnene Unterstützer in die Kommunikation einzubinden.

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