Von Walter Jungbauer

Fundraising wird häufig zu spät gedacht

So manche Stiftung kommt nach meiner Erfahrung erst auf die Idee, sich mit „Fundraising“ auseinanderzusetzen, wenn der Wunsch entsteht, das Stiftungskapital durch Zustiftungen zu erweitern. Im Vergleich zu Stiftungen, die von Anfang an über das Thema nachdenken und dieses auch in der Stiftungskonzeption (und -satzung) berücksichtigen, ist es dann wesentlich mühsamer, echtes Fundraising in der entsprechenden Stiftung zu etablieren. Vor allem ZustifterInnen tun sich schwer in alte, in sich geschlossene, fertige Stiftungen einzusteigen.

Zustiftergremien bereits in der Satzung berücksichtigen

Wer später Zustiftungen bekommen möchte, sollte dies bereits beim Entwurf der Satzung berücksichtigen. Zustifterinnen und Zustifter haben im Regelfall eigene Anliegen und möchten Einfluss darauf nehmen, für was die Erträge aus den Stiftungsmitteln verwendet werden, wie es die Bertelsmann-Studie „Stiften in Deutschland“ 2005 für Stifterinnen und Stifter eindrücklich deutlich gemacht hat.
Um einen in der Studie zitierten Stifter zu rezitieren: „Das Wichtigste sind die Inhalte, die müssen einem wirklich am Herzen liegen. Man gibt in diese Sache was rein und hat das Gefühl: Das ist man eigentlich selber.“ (Seite 24).
Vor allem die eigene Kontrolle über die Mittel, die Frage, wo und wie die Stiftungserträge eingesetzt werden, ist denjenigen, die größere Summen in eine Stiftung investieren wollen, ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt. Er zog sich lt. Studienbericht „wie ein roter Faden durch die Umfrage und die Interviews“ (Seite 65).

Einstieg und Kontrolle ermöglichen

Wenn man diesem Wunsch potenzieller Zustifterinnen und Zustifter entsprechen will, ist der Beste Weg, entsprechende Möglichkeiten bereits in der Satzung zu verankern. Dies kann beispielsweise durch eine regelmäßig tagende (Zu-)Stifter/innen-Versammlung geschehen, welche zum einen über die Entwicklung der Stiftung und über die geförderten Projekte informiert wird, zum anderen aber auch die Möglichkeit besitzt, Mitglieder in den Vorstand oder ein Stiftungs-Kuratorium zu wählen und dadurch Einfluss auf die konkrete Förderpolitik der entsprechenden Stiftung zu nehmen.

Wer Sitz und Stimme geben kann, hat viel bessere Karten

Mit einer offenen Aufstellung der Stiftung ermöglichen Sie Zustiftenden, sich aktiv nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihrem Engagement einzubringen. Und die Erfahrung zeigt: Wer sich Ernst genommen und Wert geschätzt weiß, wird sich häufig auch noch umfangreicher als zunächst geplant für eine Stiftung engagieren.
Quelle: Die Zitate stammen aus
Karten Timmer, Stiften in Deutschland: Die Ergebnisse der StifterStudie, Gütersloh 2005

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