von Dr. Jens-Christian Posselt

Tue Gutes und Sprich darüber! Dieses Bonmot ist für Einrichtungen, die sich sozialen Zwecken verpflichtet haben, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die eigenen Projekte sind der Beleg für die positive Wirkung, den Erfolg der verfolgten Ziele. Doch damit ist noch nichts darüber gesagt, wie der Erfolg erreicht worden ist. Welche Sachmittel und welches Personal wurden dafür eingesetzt? Aus welchen Quellen stammen Gelder und andere Mittel, mit denen der gemeinnützige Zweck verfolgt wird?

Es begann mit Skandalen

Vor noch rund 10 Jahren hat die Öffentlichkeit, Finanziers und Geschäftspartner weniger auf die Interna eines Unternehmens oder einer sozialen Einrichtung geschaut. Dies hat sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. Ausgangspunkt der Entwicklung waren handfeste wirtschaftliche Skandale wie z.B. die Insolvenz von Enron (USA), die weltweite Kreise gezogen haben. Was in der normalen Wirtschaft mit Enron begann, wurde im Bereich der Nonprofit Organisationen durch Ereignisse wie den UNICEF Skandal gleichermaßen schmerzlich auf die Agenda gehoben.

Transparenz macht sichtbar

Seit rund 10 Jahren hat sich aus diesen Vorgängen eine Rechtskultur entwickelt, in der das Innenleben eines Unternehmens keine Tabuzone mehr ist und nicht nur in seiner eigenen Verantwortung ist. Transparenz wird gefordert. Erkennbarkeit von Strukturen und Inhalten eines Unternehmens.
Doch mit der Transparenz wäre nur die Hälfte der Wegstrecke erreicht. Denn Transparenz macht sichtbar. Welche negativen Folgen hätte die Transparenz, wenn sie Sachverhalte an das Tageslicht bringt, die einer kritischen Würdigung – aus rechtlicher, ethischer, wirtschaftlicher – Sicht nicht standhält? Also ist eine geänderte Praxis der eigentliche Kern der Neuerung.

Eine Leitung kommt um Standards nicht mehr herum

Daraus haben sich heute bestehenden Anforderungen an die „Compliance“ entwickelt – zum Beispiel die Einhaltung von Recht und Gesetz als Minimalanforderung an die Unternehmensleitung. Für Unternehmen sind teils umfangreiche Verhaltensmaßstäbe entwickelt worden wie der Corporate Governance Kodex für börsennotierte Gesellschaften, der die Unternehmensleitung dazu verpflichtet, eine Entsprechenserklärung abzugeben. Im Non Profit Management wird die gleiche Diskussion eher unter dem Stichwort „Good Governance“ geführt und führte zu Handreichungen wie z.B. die des Deutschen Stifterverbandes „Grundsätze guter Stiftungspraxis“.

Good Governance ist kein Gesetz, sondern eine Haltung

Die Compliance ist keine gesetzlich geregelte Materie; sie ist eine sich aus der Gesamtheit der Rechtsordnung ergebende Forderung nach rechtmäßigem Verhalten. Diese Entwicklung ist nicht auf Wirtschaftsunternehmen beschränkt. Die Verfolgung sozialer Zwecke – ob mit oder ohne Gewinnerzielungsabsicht – entbindet eine Einrichtung nicht davon, sich ebenfalls an Recht und Gesetz zu halten. Dabei sind zusätzlich und stärker als in „normalen Firmen“ ethische Maßstäbe zu berücksichtigen, die nicht im materiellen Recht geregelt sind.
Im ersten Forum Sozialer Geschäftsmodelle betrachten wir diese Zusammenhänge und arbeiten heraus, ob und in welchem Umfang die normalen Compliance-Anforderungen auch auf NPOs  übertragbar sind und geben praktische Tipps, wie eine NPO den Anforderungen gerecht wird.
 

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