für Sie gelesen

von Ehrenfried Conta Gromberg
 

Strategische Inszenierung

Hans Geißlinger, Stefan Raab
Strategische Inszenierung
Story-Dealing für Marketing und Management
Carl Auer Systeme Verlag, Heidelberg 2007
ISBN 978-3-86970-603-4
176 Seiten, Gebunden, 29,95 Euro
 

Ungewohnte Sprachweise

Lassen Sie sich von dem Wort „Storydealing“ in der Unterzeile nicht abschrecken. Was wie eine etwas überzogene Idee eines frischgebackenen Marketingassistenten klingt, hat seine Ursache in der Firma „Storydealer“, die Hans Geißlinger betreibt. Unter Storydealing versteht dieser den gesamten Prozess, eine Geschichte zu entwickeln und dann in der Wirklichkeit zu inszenieren. Ich finde diesen Begriff nicht treffend. Der Inhalt des Buches macht dies aber wett.

Andere Menschen in eine neue Wirklichkeit verführen

Bei diesem Buch geht es um Strategische Inszenierungen. Das ist einige Schritte mehr als das Erzählen von Geschichten (Storytelling). Im ersten Teil des Buches werden einige philosophische Grundlagen skizziert. Vom Imaginären, der Magie, Bannkräften, dem Denk- und Machbaren ist hier die Rede.

Dann geht es in die Praxis

Im zweiten Teil des Buches schildern Hans Geißlinger und Stefan Raab mehrere Praxisbeispiele, wie Menschen in inszenierte Geschichten „hineingezogen“ werden können. Im Auftrag von Firmen oder Organisationen entstanden überraschende Aufgabenfelder, die Mitarbeiter vor scheinbar Unmögliches stellten. Grenzgänge, immer in eine sehr phantasievolle Geschichte verpackt.
– 12 angehende Geschäftsführer sollen im Namen der „International Association of the Argentinean-Mexican Hare Hunting“ die dritte Hare Hunting Weltmeisterschaft    ausrichten. Ausgerechnet in Baden-Baden vor dem Kurhaus. Kann das gut gehen?
– 8 Führungskräfte eines internationalen Speditionslogistikunternehmens müssen unvermutet 30 Kinder verzwergen und mit diesen ein Abenteuer in einem Bergwerk meistern.
– 150 Mitarbeiter, die in einem großen Rückversicherungsunternehmen von Strukturveränderungen betroffen sind, werden durch einen mehrstufigen Change Management Prozess geführt. Er endet mit einem Überfall auf das Faktische. Die Mitarbeiter drehen am Ende zusammen einen Musikvideo-Clip.
– 300 Teilnehmer der ersten Berliner Biennale für Management und Beratung sollen 2005 die Deutsche Depression überfallen. Und finden sich dann unter subversiven Umständen in der Bannmeile des Deutschen Bundestages wieder.
– Wie hebt man den Erfolg der Krebsvorsorge bei Männern? 2004 bis 2006 tourte ein steinerner Urolisk durch Deutschland, um das Thema Prostata und Urologie an das Tageslicht zu holen. Eine emotionale Aneignung nennen dies die Autoren.

Was bringt eine strategische Inszenierung?

Der dritte Teil des Buches ist quasi die Auswertung. Warum die Mühe einer solchen Story Inszenierung auf sich nehmen? Die Antwort liefern u.a. die Auftraggeber der Inszenierungen, die in den Unternehmen (meist für Change Management) Verantwortlichen. Die Antwort grob: Die Story Inszenierungen versetzen die Beteiligten in ein Imaginationsfeld, in dem Grenzen überschritten werden können. Es werden Energien frei, die mit anderen Methoden so nicht bewegt werden können.

Big Business in Querenbach

Das Buch verabschiedet sich in einem kurzen vierten Kapitel mit einer weiteren Story Inszenierung. 45 Kinder und ihre 7 Erzieherinnen müssen als Ersatz für ein Filmteam herhalten, das wegen eines Fluglotsenstreikes in Texas nicht starten konnte. Werden sie es schaffen, die entscheidende Abschluss-Szene in der großen Kinofilm-Produktion in den Kasten zu bekommen? Sie werden.

Fazit

Ein Buch, das einem die Kraft der Imagination vor Augen führt. Spannend ist die Frage, was uns dies bei Non Profit Kampagnen zu sagen hat. Wenn Menschen tiefer in ein Geschehen „einsteigen“, wenn für sie eine gute Geschichte inszeniert wird, sollte sich das Sozialmarketing mit dem Thema Inszenierung beschäftigen. Dann wäre die Inszenierung ein Verstärker von Kampagnen und Involvement-Aktionen.
Dies erinnert an die Gedanken vom Spektakel und dem legen einer Mindbomb.

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