Die Zukunft von startsocial war eine Zeit lang unklar. Dies hat sich geändert. Der Wettbewerb zur Förderung des Wissenstransfer zwischen Unternehmen und sozialen Unternehmungen ging 2011 wieder mit voller Fahrt an den Start. Wie es dazu kam, darüber sprach Ehrenfried Conta Gromberg mit Dr. Sunniva Engelbrecht von startsocial.
 
Ehrenfried Conta Gromberg
startsocial stand eine zeitlang nicht ganz sicher auf den Beinen. Das hat sich geändert. Was ist passiert, dass der Verein jetzt wieder Wind in den Segeln hat?
Dr. Sunniva Engelbrecht
Das ist schnell beantwortet: Wir haben zwei neue Hauptsponsoren. Dadurch ist es überhaupt erst möglich geworden, den achten Wettbewerb zu starten. Ein solches Commitment ist großartig und bedeutet neben der finanziellen Unterstützung natürlich auch eine moralische Stärkung. Im gesamten siebten Wettbewerbsjahr ist es uns nicht gelungen, ausreichende Unterstützung aus der Wirtschaft zu bekommen. Das war streckenweise schon sehr demoralisierend. Wir haben aber sehr wohl Unterstützung von mehreren Stiftungen erhalten, denen das Fortbestehen von startsocial wichtig war.
Grundsätzlich ist es nicht ganz einfach, Förderung für ein Intermediärprojekt zu bekommen, das schon seit zehn Jahren erfolgreiche Arbeit macht und gleichzeitig mit großen Sponsorennamen in Verbindung steht. Jeder neue Sponsor stellt sich natürlich die Fragen: „Wieso können die das nicht alleine tragen und gehe ich da nicht unter?“ Ein kooperatives Zusammenwirken muss wachsen und bedeutet auch ein Stück weit die Rücknahme eigener Interessen. Der Gewinn liegt meines Erachtens auf einer anderen Ebene. Das ist insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Destabilisierung nicht ganz einfach zu vermitteln.
Ehrenfried Conta Gromberg
Hat sich durch die neuen Hauptsponsoren bei startsocial etwas verändert?
Dr. Sunniva Engelbrecht
Der Wettbewerb ist in seinen Grundzügen unverändert. Wir freuen uns darüber, dass wir die neuen Hauptsponsoren für uns gewinnen konnten. Neben dem wichtigen, finanziellen Aspekt bedeuten die neu gewonnenen Hauptsponsoren auch Rückenwind für das Standing im Sektor. Das grundsätzliche Finanzierungsproblem von startsocial ist damit aber nicht aus der Welt geschafft. Mein persönliches Lieblingsmodell kommt von Markus Hipp von der BMW Stiftung Herbert Quandt: Im Kern tragen vier Hauptsponsoren ungefähr die Hälfte der Wettbewerbskosten, in einem zweiten Ring gruppieren sich weitere Unternehmen und Stiftungen, die kleinere, finanzielle Beiträge leisten und dies ist als langfristig angelegte Investition in den Aufbau einer gut funktionierenden sozialen Struktur zu verstehen. Der äußere Ring besteht aus Coaches, Juroren und Alumni, die über einen Beitrag im Freundeskreis von startsocial die Basis abbilden. Diese Idee wollen wir jetzt Schritt für Schritt umsetzen. Sehr gern würden wir zum Beispiel Förderer aus dem Mittelstand gewinnen. Damit könnten wir auch unsere bundesweite Ausrichtung im Lokalen stärker verankern.
Ehrenfried Conta Gromberg
Wir haben bei Spendwerk zum Jubiläum eine neue Unterzeile. “Beratungshaus für soziale Geschäftsmodelle”. Deshalb muss ich jetzt die Frage stellen: Was ist eigentlich das Geschäftsmodell von startsocial?
Dr. Sunniva Engelbrecht
startsocial hat zunächst erst einmal eine grundlegende Vision. Ursprünglich wurde startsocial als Beitrag „der Wirtschaft“ zur Professionalisierung von ehrenamtlich getragenen Initiativen erdacht. Zwei unserer derzeitigen Hauptsponsoren gehören zu den Gründungsmitgliedern und tragen ein Teil der Kosten. Die Idee, dass sich an einem solchen Wettbewerb ein größeres Konsortium von Unternehmen langfristig beteiligen würde, ist leider nicht Realität geworden. Dennoch versuchen wir derzeit den Kreis der Sponsoren zu erweitern. Eine wirklich tragfähige Social Business-Idee ist noch nicht entstanden, ohne die Grundzüge des startsocial-Wettbewerbs grundlegend zu verändern. Bisher gibt es meines Wissens im Sektor auch noch keine vergleichbare Initiative, die Trendscouting, Beratung und Networking so verbindet, wie startsocial das seit nunmehr zehn Jahren tut. Gerade die gute Zusammenarbeit mit anderen Akteuren im Sektor (u.a. Ashoka, BMW Stiftung Herbert Quandt, Körber-Stiftung, Sociallab-Köln, Phineo) bedeutet einen großen Gewinn für die Entwicklung des ganzen Sektors. Damit trägt startsocial zur Stärkung des Social Entrepreneurship-Gedankens bei. Wir freuen uns über jedes ehemalige Stipendiatenprojekt, das zu einem Leuchtturm in der Landschaft sozialer Initiativen wird.
Würden wir unser Kerngeschäft allerdings zu Geld machen – und darüber haben wir intensiv nachgedacht – wäre ein wesentlicher Zauber von startsocial verloren: nachhaltige Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement zu einem Zeitpunkt, an dem andere eben noch nicht fördern. Und dazu gehört, dass wir unser Wissen kostenlos mit anderen teilen und dadurch mit dazu beitragen, dass soziale Initiativen über die startsocial-Teilnahme hinaus in der Förderlandschaft gesehen werden.
Ehrenfried Conta Gromberg
Der neue Wettbewerb für 2011 läuft auf Hochtouren. Er startete am 1. April. Wie läuft es so und was hat startsocial sich für dieses Jahr vorgenommen?
Dr. Sunniva Engelbrecht
Ja, die Ausschreibungsphase läuft noch bis zum 31. Mai 2011. Wir im startsocial-Team sind sehr gespannt auf die endgültige Bewerberzahl. Wir haben uns vorgenommen, dass wir 500 Projektbewerbungen bekommen. Zugegeben, das ist optimistisch. Eine Bewerbung bei startsocial ist eben nicht per Mausklick gemacht. Jedes Projekt muss sich genau überlegen, ob es überhaupt die zeitlichen Ressourcen für eine Beratung hat. Da ein Auswahlkriterium ein nachhaltiges Ehrenamtskonzept ist, kommen einige gute soziale Initiativen als Bewerber nicht in Betracht.
Neben der Bewerberzahl haben wir uns zudem vorgenommen, dass wir im Bereich der sozialen Netzwerke und sozialen Medien deutlich aktiver werden. Zudem setzen die begrenzten Marketingmittel in diesem Wettbewerbsdurchgang ungeahntes, kreatives Potential frei.
Der dritte gute Vorsatz ist, dass wir den Kontakt zu unseren Alumni und unseren Coaches und Juroren stärken. Ich glaube fest daran, dass startsocial für viele soziale Initiativen an einem bestimmten Punkt in der Entwicklung eine Initialzündung bedeutet hat. Für einige unserer Coaches und Juroren bedeutet startsocial eine wichtige Engagementmöglichkeit. Unsere Alumni sind in vielfacher Hinsicht unser Kapital. Für eigene Zwecke haben wir bisher in diesem Kreis weniger stark geworben. Das ist eigentlich absurd, denn allen, die bereits bei startsocial mitgemacht haben, brauche ich nicht langatmig zu erklären, dass startsocial viel bewegt.
Ehrenfried Conta Gromberg
Vielen Dank für das Interview.
Wer sollte sich auf jeden Fall zu startsocial bewerben?
Dr. Sunniva Engelbrecht
Wir freuen uns über jede Bewerbung einer sozialen Initiative, die an der Lösung eines sozialen Problems arbeitet, den Menschen dabei in den Mittelpunkt stellt, ein nachhaltiges Konzept zur Einbindung Ehrenamtlicher bereit hält und ein Standbein in Deutschland hat.
Wichtig ist noch zu erwähnen, dass jeder der sich bewirbt etwas davon hat, auch diejenigen, die kein Stipendium bekommen: Jedes Projekt erhält ein umfassendes Juryfeedback.

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