Drei Rezensionen von Ehrenfried Conta Gromberg

Dass die Wirtschaft umdenken soll, davon war in den letzten Monaten viel die Rede. Auch bei den Wirtschaftsverlagen ist dieser Trend angekommen und sie schicken eine Reihe von Titeln ins Rennen, die spirituelle Führer porträtieren. Zumindestens Menschen, die einen anderen Geist vertreten. Zwei Bücher der Financial Times Deutschland und ein Buch des Redline Verlages stehen auf dem Prüfstand.

 

 

Gandhi – der Ceo

Alan Axelrod
Gandhi – der CEO
14 zeitlose Prinzipien für die Entscheider von heute
FinanzBuch Verlag, München 2011
240 Seiten
Preis 29,99 €
 
Wenn man die Welle der Spiritualität reitet, dann ist es konsequent Gandhi gleich zum Chief Executive Officer zu machen. Alan Axelrod hat dies getan und nimmt Leitsätze Gandhis unter die Lupe, um daraus 100 Weisheiten für Firmenlenker abzuleiten. Das Buch erschien im englischen unter dem Originaltitel: Gandhi, CEO. 14 Principles to Guide & Inspire Modern Leaders.
Das Buch startet mit einer 22-seitigen Kurzbiografie des Lebens von Gandhi (sehr prägnant und lesenswert) und entfaltet dann in 14 Kapiteln aus 100 Zitaten Gandhis Ableitungen für heutige CEOs. Auch wenn nicht jede Ableitung sofort stichhaltig ist, so ist die Auseinandersetzung von Denkansätzen Gandhis mit dem, was man daraus auf Führungsetagen lernen könnte unbedingt begrüßenswert. Nebenbei erfährt man sehr viel über die Spiritualität Gandhis.
Der Untertitel „14 zeitlose Prinzipien für die Entscheider von heute“ ist nicht ganz akurat. Es gibt zwar 14 Kapitelüberschriften, die aber streng genommen keine Prinzipien sind. Wenn schon, dann wären es die 100 Leitsätze, die entfaltet werden. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch. Für normale CEOs mag dieses Buch mehr als ein neues Licht aufstecken, erfahrene Lenker in NPOs werden schon ein wenig mehr spirituellen Boden unter den Füßen haben. Lesenswert und ungewöhnlich bleibt es.
 
 

Was wir von Steve Jobs lernen können

Carmine Gallo
Was wir von Steve Jobs lernen können
Verrückt Querdenken
Redline Verlag, München 2011
Preis €24,99
320 Seiten
 
Von dem einen Heiligen, Gandhi, zum anderen: Steve Jobs. Für mehr als einen modernen Manager ist er die Ikone der Jetzt-Zeit. Er gilt als der kreativste und erfolgreichste Manager der Welt. Dass dieses Buch von Carmine Gallo dabei auf der spirituellen Welle surft, erkennt man schon an den ersten Kapitelüberschriften:
Kapitel 1: Was würde Steve tun?
(Eine Anspielung auf das evangelikale Motto „What would Jesus do?“)
Kapitel 2: Folge Deinem Herzen
Kapitel 3: Denk anders über Deine Karriere
Kapitel 4: Gewinne Apostel, die das Evangelium in die Welt hinaustragen
Dass das Buch dann aber doch nicht der Gattung der erwecklichen Erbauungs-Literatur angehört, zeigen die Inhalte und Kapitel wie:
Kapitel 10: Einfachheit ist die ultimative Raffinesse
Kapitel 11: Denk anders über das Design
Kapitel 14: Der größte Unternehmensdramaturg in der Welt
Eine ganze Reihe von konkreten Beispielen aus der Entwicklung von Apple bringen einem die Faszination über das Wirken von Steve Jobs nahe. Das Buch ist sehr gut zu lesen und führt in die Magie eines der modernen Meister des Managements ein. Auch wichtig für Non Profit Manager.
 
 

Green Minds

Steffen Klusmann (Hrsg.)
Christian Baulig (Hrsg.)
Green Minds
Die deutschen Pioniere der Greentech-Ära
FinanzBuch Verlag, München 2010
Preis €34,95
272 Seiten
 
Der Titel des Buches, herausgegeben von Steffen Klusmann und Christian Baulig, ist Programm. Vorgestellt werden deutsche Unternehmer oder Vordenker (darunter eine einzige Frau), die auf grüne Technologie setzen. Zum Beispiel Alfred Ritter, den die meisten nur unter dem Schlagwort „Schokolade“ kennen, mit dem Thema Solarenergie oder Michael Braungart, den Chemieprofessor, der laut Buch das Cradle-to-Cradle (komplette Recyclingfähigkeit von Produkten) Konzept erfand oder Stephan Wrages, der Schiffe mit Zugdrachen bestücken will, um nur drei zu nennen.
Die 39 Porträts des Buches stammen aus einer Porträtserie, die in der Financial Times Deutschland veröffentlicht wurden. Kurz und kantig werden die Pioniere vorgestellt, was sie geschaffen haben, was sie denken und was dies für Auswirkungen haben könnte. Alle 39 Kapitel sind kurzweilig geschrieben und erzeugen zusammen eine etwas andere Geschichte der Umwelt-Bewegung. Es ist eine Welt der Technik, weniger eine Welt der Verhaltensänderung. Dass dies durchaus auch von den Autoren so gesehen wird, sagt der Abschlusssatz des Textes auf der Rückseite des Buches. „Sie (die Pioniere) bilden die Speerspitze einer Industrie, die längst nicht mehr nur vom Umweltschutzgedanken getrieben wird.“
Abgerundet wird das Buch von einer Einleitung und einer Aussicht, wohin der Wettlauf um die „Cleantech“ mit China führen könnte.
Dieses Buch ist wieder einmal eine Publikation, bei der die Grünen denken werden, dass auf einmal Menschen über ihr Thema schreiben, die es vorher nicht getan haben. Die Grünen sollte das freuen und sie auf keinen Fall davon abhalten, es zu lesen. Denn es erweitert die Weltsicht ungemein.

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