Cover Social Business
Muhammad Yunus:
Social Business. Von der Vision zur Tat
Hanser Verlag, München 2010
Preis: 19,90 €
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Rezension von Ehrenfried Conta Gromberg
Das Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis bekommen hat ist hinlänglich bekannt. Das er mit seinem System der Microkredite viele Glaubensätze von herkömmlichen Bankern auf den Kopf stellte auch. Mit dem Konzept des „Social Business“ stellt er seine Ansätze strukturell auf eine breitere Basis.

Social Business – Abkehr vom klassischen Fundraising?

Die Arbeit von Muhammad Yunus ist allgemein bekannt. Was vielen Fundraisern noch nicht bewusst sein dürfte, dass er zur Finanzierung von Überwindung von Armut einen neuen Weg einschlägt, weil er dem wohltätigen Fundraising nicht traut. Dazu ein Zitat aus seinem neuen Buch (S. 31):
„Nichtregierungsorganisationen tun in dieser Welt sehr viel Gutes. Das Wohltätigkeitsmodell hat jedoch einige strukturelle Schwächen (…). Wenn eine Organisation langfristig bestehen soll, kann man sich nicht auf wohltätige Spenden verlassen.“

Sociale Business, ein neuer Typ von Unternehmen

Seine Antwort ist ein neuer Typ von Unternehmen, er nennt sie „Social Business“ und grenzt dieses Vorgehen von Sozialen Unternehmen, Social Entrepreneurship, Corporate Social Responsibility und Social Marketing ab. In diesen Formen sieht er kein wirkliches Fortkommen, um die Armut auf der Welt zu beseitigen.
Ein Social Business ist eine Firma, die als einziges Ziel hat, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das die soziale Lage der Armen verändert oder für andere soziale Verbesserungen auf dieser Welt sorgt.
Dafür bringen Gesellschafter Kapital ein. Aus diesem eingebrachten Kapital dürfen die Gesellschafter keine Rendite erzielen. Keine Rendite heißt bei Muhammad Yunus 0 Prozent. Ein Gesellschafter darf bei Erfolg zwar seine Einlage wieder entnehmen, aber keinen Euro darüber hinaus. Durch dieses Verbot der Gewinnmaximierung geht es in einem Social Business alleine um die Optimierung der Wirkung. Michael Otto bezeichnet dies in seinem Vorwort als „Sozialrendite“.

Die Praxis des Social Business

Das diese Gedanken nicht nur Theorien sind, zeigen erste Gründungen, die Muhammad Yunus im Umfeld der Grameen Bank als Joint Ventures aufbaut. Mit dem Lebensmittelhersteller Danone (Danone Grameen = Produktion nahrhafter Joghurts für Kinder). Mit dem Versandhändler Otto (Otto Grameen Textiles Company = Produktion günstiger Textilien). Oder BASF Grameen und einer Reihe anderen, die vorgestellt werden.
Im Buch beschreibt Muhammad Yunus seinen Ansatz detailliert und stellt rechtliche und finanzielle Rahmenbdingungen vor. Im letzten Drittel wagt er einen Ausblick, wie sich die Welt verändern würde, wenn sich der Ansatz des Social Business im großen Stil ausbreiten würden. Sein Traum ist eine Welt ohne Armut ab dem Jahre 2030. Ein Traum, von dem er ausgeht dass er erreichbar ist, weil sich die Rahmenbedingungen unserer globalen Wirtschaft so geändert haben, dass es möglich ist, anders zu handeln.

Doch ein Buch über Fundraising

Ein lesenswertes Buch für alle, die über alternative Formen des Fundraisings nachdenken. Im Kern seines Buches geht es sehr wohl um die Finanzierung von neuen Projekten und damit über Fundraising. Allerdings sind die Gedanken radikal wirtschaftlich. Klar ist: Ab jetzt ist das Wort „Social Business“ von Muhammad Yunus belegt. Wer es in einer Diskussion im Munde führt, sollte dieses Buch vorher gelesen haben.
 

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