Digitale Aufklärung
Ossi Urchs und Tim Coles
Digitale Aufklärung
Carl Hanser Verlag, 2013
ISBN 978-3-446-43673-2
Ossi Urchs und Tim Coles Buch „Digitale Aufklärung“ argumentieren, warum das Internet unsere Gesellschaft vollkommen verändert und dies in ihren Augen unter dem Strich nicht nur eine positive Entwicklung ist, sondern den Einzelnen und die ganze Gesellschaft klüger macht.
Sie starten mit der trockenen Feststellung, dass alles, was digitalisiert werden kann, in Zukunft digitalisiert werden wird (These 1) und  damit eine neue vernetzte Gesellschaft entsteht, die eine neue Geschwindigkeit hat. Aber im Gegensatz zu vielen besorgten Stimmen, sehen sie darin einen großen Schritt nach vorne. Wer diesen Wandel mitmacht, genießt und die Möglichkeiten wahrnimmt, die der Einzelne dadurch bekommt, hat am Ende mehr Möglichkeiten und Freiheiten.
Digitale Aufklärung, um den Wandel zu nutzen
Um aber dorthin zu kommen, braucht es (die 10. These ihres Buches) eine digitale Aufklärung:
„Wir brauchen eine digitale Aufklärung: Neu und selbst gedachte Kategorien, die allein dieser grundsätzlich veränderten Welt gerecht werden können. Nur damit können wir diese (neue digitale A.d.R) Welt kritisch reflektieren und produktiv nutzen.“
Inhalt des Buches
Das Buch startet mit den 10 grundlegenden Thesen und entfaltet dann Einzelaspekte in Kapiteln wie:

  • Vergangenheit und Zukunft der Vernetzung
  • Denken in Echtzeit
  • Der vernetzte Mensch
  • Die Zukunft des Privaten – das globale Dorf

Notwendigkeit einer neuen Ethik
Am Ende steht der Aufruf zu einer neuen Ethik, die Grundlage der neuen Aufklärung sein müsste (Seite 247). Kant kommt den Zielen der beiden Autoren am nächsten:
„Die Aufforderung, selbst zu denken, den Mut aufzubringen, die eigene Vernunft zu gebrauchen, und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich, enthält nicht nur das Programm, sondern bereits weite Teile des Inhalts der Aufklärung und der ihr zugrunde liegenden Ethik.“
Fazit
Das Buch beschreibt den Wandel durch die digitale Revolution treffend. Das wundert bei dem Hintergrund der beiden Autoren auch nicht. Aber ihre Argumentation gewinnt nicht an allen Stellen das Herz. Ihre Skizze über die Zukunft des Privaten ist z.B. in meinen Augen zu einseitig und mit zu wenig Fingerspitzengefühl argumentiert. Für Fundraiser dann lesenswert, wenn sie die Sicht derer kennenlernen wollen, die sich als Urgestein des Netzes verstehen und „digital nativ“ nicht am Geburtstag festmachen.

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