von Ehrenfried Conta Gromberg
Eine große Website ist der Traum vieler Organisationen. Ein Portal soll es sein, möglichst mit allen ausgefeilten Details der Technik. Gemeint ist nicht eine normale Website oder ein Standard-Content-Management-System, sondern ein Internetprojekt, bei dem mehrere Anwendungen zusammengeführt oder der Auftritt komplett selbst programmiert werden soll. Wer diesen Traum träumt, sollte einige Punkte beachten, damit die Realisierung eines solchen Projektes auch wirklich gelingt. Die folgenden sechs Punkte zeigen die wichtigsten Stolpersteine bei großen Web-Projekten.

1. Zu hohe Komplexität

Große Webprojekte verführen dazu, die vollkommene Website bauen zu wollen. Es wird ein System geplant, das von Anfang an alles können soll, von dem aber wenig vorher in der Praxis ausprobiert worden ist. Der Kern-Prozess ist nicht festgelegt, die Anwendung nicht klar. Die Folge: Das Projekt verliert sich in seiner Kompliziertheit. Achten Sie darauf, zu Beginn sehr streng den Hauptnutzen zu definieren und sich zu Anfang darauf zu konzentrieren. Ausbauen können Sie später immer noch.

2. Das Back End wird unterschätzt

Die gesamte Planung wird nur über das Front End (die für den normalen Nutzer sichtbare Website) gesprochen. Das Back End (der Adminstrations-Bereich) braucht mehr Aufmerksamkeit als das Front End! Können Mitarbeiter die Plattform nicht einfach pflegen, stirbt das Projekt. Es muss von „hinten“ gedacht werden: Wie viel Zeit pro Tag wird benötigt, um die Inhalte frisch zu halten und Transaktionen abzuwickeln? Maßgeblich dafür ist das Back End. Es gehört von Anfang an gleichwertig in die Planung mit hinein.

3. Der Projekt-Etat ist falsch aufgeteilt

Große Projekte brauchen einen Entwicklungs-Etat. Häufig wird dabei zu sorglos vorgegangen. Es werden 100 Prozent des zur Verfügung stehenden Geldes für die Programmierung eingestellt. Vergessen werden Reserven, übersehen wird das Marketing der Seite. Damit Ihnen das Projekt nicht bei den Finanzen aus dem Ruder läuft lautet die Faustregel: 1/3 Entwicklung 1/3 Reserve 1/3 Marketing. So geplant, sähen viele Projekte von Anfang an kleiner aus.

4. Programmierer bestimmen das Projekt

Ist eine Organisation beim IT-Know How selbst schwach und beginnt ein großes Projekt, übernehmen die externen Entwickler schnell die Steuerung des Projektes. Sie bestimmen ab einem bestimmten Zeitpunkt die Programmierung und diktieren, was geht und was nicht geht. Ab dann laufen Sie der Entwicklung hinterher und nicht umgekehrt. Sorgen Sie für eine starke und kompetente Projektleitung auf Ihrer Seite.

5. Überschätzung von Web 2.0

Viele neue Projekte schwören auf Web 2.0. These: Die User werden alles selbst gestalten und den Content beisteuern. Web 2.0 funktioniert. Aber nur in der Massenanwendung. Haben Sie keine großen Besucherzahlen zu erwarten (damit meinen wir einige 100.000 Zugriffe pro Tag!) vergessen Sie den Traum von Web 2.0. Viele Social Media Funktionen haben im Normalbetrieb keinen Wert. Konzentrieren Sie sich dann lieber darauf, wenigen Menschen einen hohen Nutzen zu bieten, den Sie selbst generieren.

6. Keine Zeit für Wachstum

Große Internetseiten brauchen 3 bis 5 Jahre, bis sie genutzt werden. Wer davon ausgeht, dass innerhalb von weniger Monaten genug User auf der Plattform sind, scheitert. Planen Sie von daher von Anfang an den Betrieb von 5 Jahren mit ein. Haben Sie diese Betriebsmittel nicht, sollten Sie von der Programmierung der großen Internetseite absehen. Plan B wäre ein kleinerer Auftritt mit einem guten Marketing-Etat, auf dem Sie erfolgreich eine kleinere Anzahl von Transaktionen bewegen.

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