von Kai Fischer
Glaubt man vielen Spenderbefragungen, dann ist es eindeutig: Die Effizienz von Organisationen ist Spendern wichtig. Verwaltungs- und Fundraisingkosten sollen gering sein, denn die Organisationen sollen mit den Spenden effektiv wirtschaften. Und zu hohe Verwaltungskosten führen – glaubt man den Aussagen der Spender – zum Abbruch der Beziehungen.
In der Untersuchung „Money for Good“, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde, nahm sich die US-Beratungsfirma Hope-Consulting auch dieser Frage an. Zunächst stellte sie fest, dass tatsächlich sehr vielen Spendern die Effizienz von Organisationen wichtig ist – zumindest stimmten in der Befragung bis zu 85 % entsprechenden Aussagen zu.
Wurden die Spender hingegen nach ihrem konkreten Handeln gefragt, änderte sich das Bild. Nur 35 % der Befragten recherchierten tatsächlich die Daten und informierten sich über die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Organisation. Alle anderen reagierten nur dann, wenn es einen Skandal gab. Dann informierten sie sich und änderten ihre Spendenpraxis.
In der Untersuchung ging Hope-Consulting noch einen Schritt weiter. So wollten die Befrager wissen, was die Befragten recherchierten. Dabei stellte sich heraus, dass 63 % derjenigen, die sich überhaupt informierten, nach Informationen suchten, die ihre Entscheidung bestätigten. Für die allermeisten ist die Recherche also eine nachträgliche Rationalisierung einer schon getroffenen Entscheidung.
Am Ende bleiben 3 % aller Förderer übrig, die tatsächlich die Effizienz einer Organisation recherchieren und hiervon ihre Spendenentscheidung abhängig machen. Von 100 % Spendern sagen 85 %, dass ihnen Effizienz wichtig sei. Nur 32 % der Förderer führen vor ihrer Entscheidung überhaupt eine Recherche durch. 21 % der Förderer nutzen die Daten zur Effizienz, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen. 3 % schließlich spenden aufgrund der von ihnen durchgeführten Recherche zur Effizienz – ein sehr kleiner Anteil.
Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Effizienz in Form geringer Verwaltungs- und Fundraisingkosten zwar gerne eingefordert wird, dass sie aber bei der Entscheidung der Förderer für eine Spende in der Regel kaum eine Rolle spielt. Um es deutlich zu sagen: Für die meisten Förderer spielen rationale Gründe bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Spende keine Rolle. Spenden sind emotionale Entscheidungen, deren Anlässe und Motive nicht rational und in der Regel selbst den Spendern kaum zugänglich sind. Allenfalls nachträglich begründen Spender die getroffene Entscheidung rational und erklären sie sich selbst. Und diese Rationalisierung lässt sich gut am Kriterium „Effizienz“ durchführen.
Die Studie ist im Internet frei zugänglich und kann hier heruntergeladen werden.
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