Treffen sich zwei Welten
Rückblick auf eine Tagung zu Nonprofit im Web 2.0 am 15. Mai in Osnabrück
von Kai Fischer
Web 2.0 verändert die Welt der Kommunikation. Bisher ist die Kommunikation für viele Organisationen übersichtlich. Ob im Massen- oder Direktmarketing: Die Organisation kommuniziert und die Adressaten sind die Empfänger. Im Web 2.0 ist die Situation eine andere. Jetzt kommunizieren alle mit, jeder ist Empfänger und kann immer auch Sender sein.
Am 15. Mai trafen Sie aufeinander: Praktiker aus der Welt des Web 2.0 und Praktiker aus der Welt der NPOs. Es sollte ein Blick in die Zukunft sein und war an vielen Stellen die Begegnung zweier fremder Welten.
Vielfältige Möglichkeiten
Die Möglichkeiten, die das Web 2.0 Nonprofit-Organisationen bietet, sind vielfältig und ausgesprochen spannend: Kampagnen werden von Unterstützern aufgenommen, verstärkt und in den eigenen Netzwerken weiter geleitet. Schnell können sich so Nachrichten verbreiten, Menschen bewegen und gemeinsame Aktionen koordinieren. Von einigen dieser positiven neuen Möglichkeiten berichteten Online-Praktiker auf dieser Tagung.
Fundraising im Web 2.0
Auch erste Beispiele für Fundraising im Web 2.0 wurden vorgestellt. Dabei braucht man nicht nur auf Barack Obama und seine Kampagne zur Präsidentschaftswahl verweisen. Auch andere Beispiele, sind beeindruckend: Da ist die
Food-Bloggerin, die einmal im Jahr über ihren Blog eine Art Tombola ausspielt. Oder die Fundraiserin, die zu ihrem Geburtstag ihre Freunde zum Spenden einlädt.
Linux und Wikipedia
Projekte mit freiwilliger Arbeit sind im Web schon legendär: Das Betriebssystem „Linux" ist genauso eine Arbeit vieler tausend Freiwilliger wie Wikipedia. Netzwerke setzen sich auch offline fort, wie das Twestival zeigt, ein Event, der in 250 Städten weltweit stattfand und 250.000 Euro zugunsten von charity:water an Spenden eingebracht hat. Ebenfalls Beispiele, die auf der Tagung Thema waren.
Zwei Welten treffen aufeinander
Diese aktive Szene von neuen Kommunikatoren tauscht nun mit Teilnehmern aus dem Lager der Non Profit Organisationen aus. Schnell steht die Frage nach dem Aufwand im Vordergrund: Wie viele Stunden müssen investiert werden? Wie aufwändig ist Kommunikation, wenn permanent in Netzwerken kommuniziert wird, Twitter-Nachrichten und Blog-Einträge verfasst und andere Blogs kommentiert werden? Welche Einträge müssen beobachtet werden, um mitzubekommen, wann wer aus welchen Gründen über die eigene Organisation oder Thema schreibt? Und plötzlich spüren alle: Wir sind nicht eine große Gemeinschaft mit vielen neuen Möglichkeiten, sondern es gibt ganz unterschiedliche Herangehensweisen.
Hoher Aufwand für Kommunikation
Wenn Menschen in ihrer Freizeit viel im Netz investieren, auf Fernsehen verzichten und dafür jeden Abend drei Stunden twittern, dann ist das okay. Wenn eine Organisation Mitarbeiter bezahlt, die nachts im Web unterwegs sind, dann ist das eine ganz andere Sache. Auch Freiwillige für diese Aufgabe zu beschäftigen, ist nicht unbedingt die Lösung: Freiwillige oder auch Praktikanten können kaum eine Organisation verantwortlich in der Öffentlichkeit präsentieren.
Neue Qualifikationen werden benötigt
Damit ist auch schon die Frage nach der notwendigen Qualifikation gestellt. Scheinbar ist die Kommunikation einfach: Man schreibt, kommentiert und liest die Beiträge der anderen. Organisationen, die sich hieran beteiligen, haben aber immer auch einen Zweck, sie wollen etwas erreichen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn Mitarbeiter beschäftigt werden, die auch wissen, wie die vielen Möglichkeiten systematisch genutzt und zu einem Ziel geführt werden. Dies sind Qualifikationen, die nicht unbedingt in Nonprofit-Organisationen oder auch unter Bloggern vorausgesetzt werden können.
Die Planeten ziehen weiter
Damit ziehen dann auch die beiden Planeten aneinander vorbei: Die Web 2.0-Nutzer mit ihrem Unverständnis über die Fragen und Probleme von Organisationen. Die Nonprofit-Organisationen mit ihrer Erkenntnis einer neuen Kommunikationswelt und einer Idee, welche neuen Herausforderungen auf sie zukommen werden und vielen noch offenen Fragen. Denn eins ist gewiss: Hier wurde eine Kulturrevolution in Ansätzen sichtbar, die auch nicht wieder weggehen wird. Damit sich die Planeten langsam aufeinander zubewegen, werden noch weitere Tagungen notwendig sein, Erfahrungen ausgetauscht und neue Modelle der Kommunikation entwickelt werden müssen.