von Kai Fischer
Einnahmen im Fundraising zu steigern ist eine wichtige Aufgabe im Fundraising. Statt neuer Adressen auszuprobieren, stellen die Freiwilligen in Ihrer Organisation eines der wichtigsten Potenziale dar.
Spätestens seit der Sekundäranalysen der Freiwilligensurveys durch das WZB Berlin wissen wir: Menschen, die sich freiwilligen in Nonprofit-Organisationen engagieren, spenden auch signifikant mehr als Menschen ohne ein entsprechendes freiwilliges Engagement: Sie kennen Organisationen und die wichtige Arbeit im Dritten Sektor und sind deshalb auch eher bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten.
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Zwei US-Psychologie-Professorinnen haben jetzt danach gefragt, welchen Zusammenhang es zwischen Geld- und Zeitspende noch geben könnte. Bei ihren Experimenten haben sie nach der Bereitschaft gefragt, Geld zu spenden. Ein Teil der Gruppe wurde zuvor nach der Bereitschaft zur Zeitspende gefragt, der andere Teil der Gruppe nicht. Das Ergebnis war eindeutig: Die Gruppe, die zunächst um eine Zeitspende gebeten wurde, waren bereit, 50% mehr zu geben, wie die Kontrollgruppe.
Die Frage nach Zeit- und Geldspenden aktiviert unterschiedliche Entscheidungsmuster. Da übliche Erklärungsmuster ausgeschlossen werden konnten, erklären die beiden Forscherinnen ihre Befunde folgendermaßen: Werden Menschen um Geld gefragt, kalkulieren sie stärker einen ökonomischen Nutzen. Sie fragen danach, was sie für ihre Spende erhalten.
Bei der Frage nach Zeitspenden ist dies anders. Die Studien legen nahe, dass Menschen Zeit anders kalkulieren. Obwohl Zeit und Geld im vergleichbaren Umfang begrenzt zur Verfügung standen, waren viele Menschen eher bereit, Zeit zu spenden. Sie kalkulieren Zeitspenden auf Basis von Beziehung und Zufriedenheit. Sind Beziehungen erst etabliert oder in einem entsprechenden Entscheidungsmodus, sind sie auch bereit, mehr Geld zu geben.
Erfolgreiches Fundraising gerade regionaler Organisationen muss deutlich komplexer gedacht werden. Freiwillige Arbeit und Geldspenden bilden eine Einheit und müssen in einem gemeinsamen Konzept erarbeitet werden. Denn werden zunächst Beziehungen aufgebaut und kultiviert, lernen die Unterstützer/innen Ihre Organisation kennen und schätzen, werden sie sich auch finanziell umfangreicher engagieren. Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie sich in Ihrem Fundraising auf die Bitte um Geld konzentrieren, besteht eine große Chance, dass Sie es nicht schaffen, das Potenzial Ihrer Förderer vollständig auszuschöpfen und beiderseitig langfristige und befriedigende Beziehungen aufzubauen.
Es sind Denkschablonen und Mythen in unseren Köpfen, die uns hier behindern. Menschen, die sich freiwillig engagieren, nicht auch noch um Geld zu fragen, basiert auf einer Vorstellung, dass es eine Grenze für Engagement gibt und der Einzelne nicht zu sehr belastet werden sollte. Diese Einschätzung trifft aber nur bedingt die Realität. Beim genauen hinschauen, wird deutlich, dass Engagement immer auf Beziehungen basiert und diese sich gerade auch im direkten Kontakt etablieren. Aus Sicht der Engagierten ist Zeit und Geld vielleicht nicht gleichwertig, aber bei einer stimmigen Beziehungen ist ein finanzielles Engagement schnell die logische Weiterentwicklung der guten Zusammenarbeit.
Die komplette Studie erhalten Sie kostenlos im Internet:
Wendy Liu and Jennifer Aaker, "The Happiness of Giving: The Time-Ask Effect" (May 1, 2008). Center for Responsible Business. Working Paper Series. Paper 39.
Download der Studie "The Time-Ask Effect"
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 08-04
17. Juni 2008
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