von Bettina Hohn
Am 5. März 2009 fand in Hamburg zum zweiten Mal in diesem Jahr die socialbar statt. Rund 60 Teilnehmer trafen sich, um den gegenseitigen Austausch zu fördern und einander auf die ein oder andere Art und Weise zu helfen. So suchen viele NGOs derzeit nach Internetexpertise, um ihre Fundraising- und Aufmerksamkeits-Kampagnen zu unterstützen. Internet-Affine wiederum, so der Eindruck, möchten sich zunehmend auch gesellschaftlich relevanten Themen zuwenden.
Der erste Vortrag des Abends kam von Claudia Langer, die ihr Projekt Utopia vorstellte. Utopisten - so nennen sich die Mitglieder dieser Community - konsumieren „strategisch", d.h. sie verpflichten sich selbst der Idee der Nachhaltigkeit. Was als kleines Informationsportal mit Sponsoren wie dem Versandhandelshaus Otto startete, ist heute bereits zu einer der größten Umwelt-Plattformen im Netz geworden. Inzwischen zählt Utopia mehr Mitglieder als die grüne Partei in Deutschland.
Im Anschluss stellte Oliver Zeisberger dar, wie Web 2.0-Elemente die Wahlkampf-Dynamik von Thorsten Schäfer-Gümbel in Hessen beeinflusst haben, incl. aller Vor- und Nachteile. Die Kommunikation via Twitter (eine Art Kurznachricht ins WWW) hat so z. B. nicht nur dazu geführt, dass Teilnehmer auch kurzfristig zu Veranstaltungen gekommen sind, sondern auch zu einem gefälschten Profil, gepflegt durch das Satiremagazin Titanic. Die Frage, ob dies nun Ehre oder Mühe für „TSG" gewesen sei, blieb offen. Deutlich wurde aber, dass das Netz schon jetzt einen nicht zu leugnenden Einfluss genießt: So wäre TSG, hätte man lediglich die aktiven Internetnutzer befragt, laut ZDF-Statistik vor Roland Koch als Ministerpräsident aus dem Rennen hervor gegangen.
TSG auf Twitter, meinVZ, WKW, Facebook ...
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Ole Seidenberg und Doris Erdmann ihre Projekte vor. Seidenberg, der auch Organisator der socialbar in Hamburg ist, erzählte kurz die neuesten Nachrichten von der „Aktion Uwe" (siehe gesonderten Beitrag in dieser Ausgabe), bei der es darum geht, einen Hamburger Obdachlosen mit Hilfe des Internets finanziell und moralisch zu unterstützen, damit dieser seinen Weg von der Straße findet.
Doris Erdmann schließlich berichtete von den eindrucksvollen Erfolgen ihrer Organisation „peace brigades international" (pbi), die es bislang gänzlich ohne digitale Unterstützung geschafft hat, international für so viel Aufmerksamkeit zu sorgen, dass den von den „Friedensbrigaden" begleiteten Betroffenen nichts zugestoßen ist. Die Idee ist hier, politisch Verfolgte in Regionen wie Indonesien oder Latein-Amerika von freiwilligen Friedensbotschaftern bei ihrem jeweiligen Anliegen so zu unterstützen, dass allein durch die mediale Aufmerksamkeit deren Sicherheit gewährleistet werden kann. Die Zuschauer diskutierten gemeinsam, wie pbi das „soziale Netz" im Internet für ihre Botschaft besser nutzen könnte.
peace brigades noch nicht Web 2.0 – aber bald?
Klar wurde jedoch trotz der vielen guten Beiträge insbesondere an diesem Beispiel, dass das Thema „Web 2.0" bei vielen NGOs noch Berührungsängste hervorruft und ein klares Umdenken erfordert.
Man darf also gespannt sein, welche Themen und Thesen bei den nächsten Socialbars zusammenfinden - die nächste Socialbar soll bereits Ende April stattfinden. Ein größeres Event über zwei Tage wird es Ende August unter dem Namen „SocialCamp" geben, ganz nach dem Berliner Vorbild.
Weitere Infos gibt es unter www.socialbar.de
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 09-02
23. März 2009
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