von Kai Fischer
Alexander Glück
Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen
Transit Buchverlag
14,80 €
Endlich weiß ich, wer ich bin: Der Halsabschneider, der ahnungs- und wehrlosen Opfern die 10 €-Scheine aus der Tasche zieht und davon auch noch einen ordentlichen Batzen selbst behält. Der andere Teil (das meiste) geht in irgendwelche Projekte, die mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. So zumindest das wenig differenzierte Bild, welches Alexander Glück in seinem Buch von Fundraisern und Nonprofit-Organisationen zeichnet.
Bei Fundraisern stößt ihm übel auf, dass diese sich professioneller Methoden bedienen und vielen Spender gar nicht mitbekommen, wie ihnen die Gelder aus der Tasche gezogen werden. Viel besser würde er es finden, wenn Freiwillige unentgeltlich fundraisen oder besser noch der Staat die Gelder verteilt. Dass beides historisch längst gescheitert ist, erschließt sich Herrn Glück nicht. Auch ein unprofessionelles Arbeiten zu fordern, ist absurd, würde Alexander Glück dann doch zu recht die höheren Kosten bemängeln.
Auch wenn berechtigte Kritik an einigen Fundraising-Praktiken zu üben ist, urteilt Herr Glück viel zu pauschal. Das Zeichnen von Klischees, welches er den Fundraisern vorwirft, trifft ihn umso härter. Versäumt er es doch genauer hinzuschauen und auch die emanzipatorischen Möglichkeiten des Fundraisings zu erfassen.
Stärker wird seine Argumentation, wenn er sich den Handlungsfolgen von Nonprofit-Organisationen zuwendet. Hier hat er auch nur einen Ausschnitt im Blickpunkt: Die Entwicklungshilfe, genauer die Hilfe für rumänische Kinder; Beispiele, die Herr Glück aus eigener Anschauung kennt. Die Vorwürfe, die er erhebt, sind nicht neu, aber trotzdem immer wieder bedenkenswert. So zeigt er, wie bedenkliche Strukturen durch Spenden aus Westeuropa verstärkt und neue Abhängigkeiten geschaffen werden. Eine seiner stärksten Passagen ist die Diskussion über Werte-Imperialismus, welche er am Beispiel von Frauenbeschneidungen vornimmt.
Auch wenn seinen Schlussfolgerungen nicht immer zuzustimmen ist, sind es doch wichtige Fragen, die auch in jedem Fundraising-Seminar diskutiert werden sollten und immer wieder auf die Tagesordnung gehören. Auch die negativen Effekte von Spenden in anderen Kulturkreisen sollten zwingend mit berücksichtigt werden. Hier besteht in der Tat ein erhebliches Defizit bzw. blinder Fleck im Fundraising.
An einigen Stellen ist es ein ärgerliches Buch, mit viele unzulässigen Verallgemeinerungen und Klischees, gerade über Fundraising. Aber auch eine Reihe von Fragen, die zum Weiterdenken anregen, insbesondere im hinteren Teil des Buches. Wer sich einen – manchmal verzerrten – Spiegel vorhalten lassen will, sollte unbedingt in dieses Buch schauen. Wir müssen es auch aushalten, wenn uns manchmal eine nicht immer faire Fratze anstarrt.
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 07-08
16. Oktober 2008
Am 29. Oktober in Hamburg.
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