George Lakoff, Elisabeth Wehling,
Auf leisen Sohlen ins Gehirn
Politische Sprache und ihre heimliche Macht
Carl Auer Systeme, Heidelberg 2008
ISBN 978-3-89670-634-8
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Obama ist neuer Präsident der USA. Vielleicht hat er vorher dieses Buch gelesen. Denn George Lakoff analysierte in den letzten Jahren die erfolgreiche Verwendung von bildreicher Sprache bei den Republikanern und die erfolglose bei den Demokraten. Bush schaffte es, gewählt zu werden und seine Ziele dem amerikanischen Volk schmackhaft zu machen, obwohl viele Amerikaner der fatale Politik von Bush inhaltlich nicht wirklich zustimmten.
Dieses Buch ist unbedingt lesenswert für alle, die wissen wollen, wie Sprache wirkt und wie man Wirklichkeit verändert. Unabhängig ob sie für eine politische Partei arbeiten oder als Referent für Öffentlichkeitsarbeit in einer sozialen Organisation.
Der Titel des Buches ist falsch gewählt. „Auf leisen Sohlen ins Gehirn" suggeriert, dass politische Macht bekommen würde, wer sich besser anschleicht. Dies ist aber nicht der Fall. George W. Bush sagte klar und laut, was er wollte. Und er meinte so gut wie alles, was er sagte. Abgesehen von diesem etwas irreführenden Titel ist das Buch brillant.
George Lakoff und Elisabeth Wehling arbeiten heraus, dass die Gruppen in einer Gesellschaft gewinnen, die es schaffen, ihre Werte anderen so attraktiv darzustellen, dass andere, die diesen Werten nicht unbedingt angehören, trotzdem folgen. Denn Mehrheiten gewinnt man nur durch den Zugewinn von Menschen, die nicht zum eigenen inneren Kern gehören.
Von daher ist die Sprache der US Republikaner nur ein Fallbeispiel. Über dieses Fallbeispiel deckt das Buch Mechanismen aus, die für alle Organisationen gelten, die öffentlich auftreten.
Die Theorie von George Lakoff ist einfach und bestechend. Der eigene Standpunkt muss mit Bildern (Metaphern) transportiert werden, die beim Zuhörer das richtige „Frame-Set" aktivieren. Ein Frame-Set ist der Deutungsrahmen eines Bildes, der aus den eigenen inneren Werten gespeist wird. Anschaulich zeigen die beiden Autoren zum Beispiel, dass das Bild der „Familie" in konservativen amerikanischen Kreisen anders gefüllt ist als in progressiven amerikanischen Kreisen.
Wenn ein Redner also die rhetorische Frage: „Was würde eine Familienvater in dieser Situation tun?" vor einem größeren Publikum stellt, dann werden mit dieser Fragen gleichzeitig unterschiedliche Frame-Sets aufgerufen. Je nach Vorgeschichte denken Menschen an unterschiedliche Konzepte von Familie. Indem die Demokraten ihre Gegen-Argumentationen häufig auf den Frame Sets der Republikaner aufbauten, verloren sie die Schlacht. Denn sie aktivierten damit die Bilder des Gegners, nicht die eigenen.
Das Wissen um die Frame-Sets ist entscheidend. So führt der Forscher die Wahlgewinne sowohl von Ronald Reagan als auch George W. Bush auf die gezielte Ansprache bestimmter in der amerikanischen Kultur verankerter Frame Sets zurück. Die Demokraten hatten häufig die besseren und durchdachteren Konzepte. Aber in sicherer Regelmäßigkeit servierten sie ihre Programme in blutleeren Parteiprogrammen. Erst die fatalen Folgen der konservativen Politik öffnete die Tür wieder für den demokratischen Wahlsieg am 4. November. Diese Wende kannte der Autor zum Erscheinen des Buches noch nicht. Umso mehr ist seine Untersuchung relevant, um die Wende in der amerikanischen Politik besser zu verstehen.
Unbedingt lesenswert für alle, die sich mit Werten und Bildern beschäftigen und wissen wollen, warum Menschen nicht auf Informationen reagieren. Von daher in meinen Augen Pflicht für alle Fundraiser, Campaigner und Menschen, die Ihre Umwelt verändern wollen. Lesen Sie dieses Buch positiv: Wenn Menschen wie George W. Bush mit dem gezielten Gebrauch von Metaphern folgenreich „erfolgreich" sein konnten, um wie viel mehr können es Organisationen, die echte Werte vertreten?
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 08-08
20. November 2008
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