von Ehrenfried Conta Gromberg
Die Kunst der Führung ohne Profitdenken
von Ruth Simsa und Michael Patak
Dieses Buch wird Ihnen keine Zeit stehlen. Ruth Simsa und Michael Patak entfalten auf 120 Seiten in einer selten gesehenen Kompaktheit Themen rund um die Personen in der Leitungsverantwortung einer Non Profit Organisation. Damit gehen Sie ein Thema an, welches in dieser Direktheit bisher sonst nur tief in irgendwelchen Fachblättern gefunden wurde.
Das Buch beginnt mit den Besonderheiten und Widersprüchen von NPOs (sehr schön die Führungsparadoxe auf S. 31 bis 37), deren Mitarbeiter und Aufgaben. Dann folgen Ableitungen zu zentralen Themen wie zum Beispiel
Abgerundet wird dies durch die Darstellung der wichtigsten Führungsinstrumente, einem Kapitel mit Experten-Statement und einem Literaturverzeichnis.
Ruth Simsa und Michael Patak gelingt es, den gesellschaftlichen Wandel wie demographische Veränderungen, Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Veränderung der Motive und biografischen Verläufe von Mitarbeitern so einzubinden, dass sich ihr Buch von einem reinen Struktur-Handbuch unterscheidet. Sie sehen ein lebendiges System, in dem Menschen die kleinsten Bausteine sind. Wer führt, muss verstehen, wie diese kleinen Bausteine und das ganze Umfeld heute (anders) reagieren.
Zwei Themen kommen im Buch so gut wie nicht vor, die der eine oder andere dort vielleicht erwartet. Das tut dem Buch keinen Abbruch - auf 120 Seiten ist kaum mehr Inhalt zu vermitteln - sollte aber erwähnt werden, damit der Begriff "Leadership" nicht einseitig geprägt wird.
Ruth Simsa und Michael Patak lösen die Unterzeile Ihres Buches nicht wirklich auf. Was eine Führung ohne Profitdenken ist, erklären sie zu wenig. Jede Leitung einer NPO muss Gewinn erwirtschaften. Was ist dann das „Profitdenken" das eine Non Profit Führung nicht haben sollte? Hier unterscheiden sie zwar zu Beginn wirtschaftsnahe, verwaltungsnahe und basisnahe NPOs. Aber dies ist zu schwach. Das Management vieler sozialer Einrichtungen (aller Couleur) steht in der Situation, „Profit-Center" errichten zu wollen oder zu müssen. Und auch Social Entrepreneurs ticken anders. Den Konflikt um die Frage „Wirtschaftlichkeit" und ein Arbeiten jenseits der „Gewinnmaximierung" deuten Ruth Simsa und Michael Patak zwar an, gehen aber dann daran vorbei.
Ruht Simsa und Michael Patak füllen den Begriff Leadership einseitig. Sie klären sehr kompetent die Fragen der heutigen Organisationsentwicklung. In dem sie hier profundes Know How beisteuern, legen sie ein stabiles Fundament, auf dem so mancher Visionär besser stehen wird. Aber sie lassen die Funke des Feuers „Leadership" etwas zu wenig aufblitzen. Mittelmäßige Organisationen kommen von mittelmäßigen Führungen. Wer beim Titel „Leadership" an ein Buch über die Stärkung von Visionen, Persönlichkeit und das Charisma von Leiterinnen und Leitern denkt, wird hier zu wenig finden.
Lesenswert für alle, die Mitarbeiter führen und ein stringentes Handlungsgerüst in der täglichen Leitungsaufgabe entwickeln wollen.
Die Kunst der Führung ohne Profitdenken
von Ruth Simsa und Michael Patak
2008, Linde Verlag, Wien
138 Seiten
Preis 28,80 Euro
ISBN 978-3-7143-0130-4
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 08-04
17. Juni 2008
Es gibt einen Lead-Sektor in der Führung von NPOs, den die bisherige Literatur wenig berücksichtig: Die soziale Markenbildung.
Eine Leitung, die sich in Zukunft nicht um die Entwicklung der eigenen sozialen Marke kümmert, hinterlässt eine farblose Organisation und wird einer zentralen Verantwortung nicht gerecht.
Organisationsentwicklung, Werte, Visionen und Leitbilder. All dies wird in Zukunft unter dem Begriff der sozialen Marke gebündelt werden. Die eigene Marke zu gestalten ist in Zukunft eine der Hauptaufgaben der Leitung einer NPO.
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