von Bettina Hohn
Marita Haibach
Ein Handbuch für die Praxis.
Frankfurt a. Main: Campus Verlag, 2008,
327 Seiten, Euro 32,90
ISBN 978-3-593-38587-7
Für Fundraising im Hochschulbereich gibt es ein einfaches „Rezept":
Man nehme eine Hochschule mit exzellenten Forschern, deren Forschungsergebnisse sowohl für die Scientific Community als auch für die Praxis von Nutzen und Interesse sind. Man mixe dies mit exzellenten Hochschullehrern, die hervorragend ausgebildete und höchst zufriedene Absolventen auf den Arbeitsmarkt schicken. Alles ergänzt durch ein effektives und effizientes Hochschulmanagement und eine Fundraising-Abteilung, die mit Hochschulleitung, PR-Abteilung, dem Career Center sowie natürlich auch mit den Fachbereichen und Studiengängen intensiv kooperiert, Kontaktdaten sammelt und Fundraising-Kampagnen durchführt.
Eigentlich ganz einfach. Warum entwickelt sich Fundraising an (öffentlichen) Hochschulen in Deutschland so schleppend? Hierüber macht sich Marita Haibach in ihrem Buch Gedanken und schaut dabei auch über deutsche Grenzen hinaus.
Marita Haibach legt in ihrem Handbuch auf knapp 300 Seiten umfassend - und kenntnisreich wie immer - die Grundlagen des Fundraisings dar und zeigt Praktikern wie sie vorgehen können. Dabei kommentiert sie auch mögliche Fallstricke im Hochschulbereich und empfiehlt, dass die Hochschulen Regeln aufstellen müssen, wie sie gleichzeitig selbstbewusst und wertschätzend mit privaten Förderern umgehen wollen. Die Autorin macht deutlich, welche Anforderungen - und Investitionen - auf die Institutionen zukommen, wenn sie mit Fundraising beginnen. Ergänzend werden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert, zahlreiche Beispiele und Stimmen aus der Praxis veranschaulichen die Darstellung.
Im Kanon der möglichen Unterstützer haben die Alumni eine besondere Bedeutung für das Hochschul-Fundraising. Eine Hochschule, die sich nicht intensiv um ihre Studierenden kümmert, schafft keine Basis für die spätere Unterstützung durch die Absolventen. Nur aus glücklichen und zufriedenen Studierenden werden glückliche Alumni, die auch bereit sind ihrer Hochschule etwas zurück zu geben - als Privatperson oder als Unternehmensvertreter. Wenn die Absolventen die Hochschule verlassen haben, muss diese (weiter) in die Pflege der Beziehung investieren. Im Fundraising-Zyklus steht die Kultivierung, z.B. durch regelmäßige Informationen, Veranstaltungen etc., vor der Spendenbitte.
Fundraising kann nicht (allein) an eine Abteilung delegiert werden. Es muss ins strategische Hochschulmanagement eingebunden sein und durch die Leitungsebene sowie bestmöglich auch durch das Lehrpersonal unterstützt werden. Diese wichtigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Fundraising sind - um es vorsichtig auszudrücken - nicht an allen Hochschulen in Deutschland vorhanden.
Man wünscht dem Buch viele Leser und den Hochschulen, dass sie sich weiter öffnen. Fundraising kann als Transmissionsriemen für die Intensivierung des Austauschs zwischen Hochschulen und dem gesellschaftlichen Umfeld fungieren. Ob Marita Haibach Einschätzung richtig ist, dass mehr professionelles Fundraising zu einem Wachstum der Spenden- und Stiftungsmittel insgesamt führt, wird die Zukunft zeigen. Im Bildungsbereich ist die „gesellschaftliche Rendite" einer Spende erwiesenermaßen besonders hoch.
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 07-08
16. Oktober 2008
Am 29. Oktober in Hamburg.
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