vonKai Fischer und Ehrenfried Conta Gromberg
Neben 600 anderen Fundraiser/innen war auch Spendwerk mit unter den Teilnehmern. Da wir bei Fundraising innovativ dieses Jahr das Jahr der Kundenbindung haben, beschlossen wir zu testen, ob der Kongress für die Aufgabe der Mitgliederbindung „funktioniert".
Schafft es der Deutsche Fundraising Verband durch den Kongress neue Mitglieder zu gewinnen und alte Mitglieder näher an sich zu „binden"?
Fundraising innovativ als Stiftung Kundentest.
Schon im Vorfeld ging es um die Frage: Wer fährt und wer fährt nicht? Einige der alten Hasen (und Mitglieder des Verbandes) fuhren nicht. Warum? Weil ihnen der Preis zu teuer war und das Programm für ihre Bedürfnisse zu „gemischt".
3 Tage und ca.1.000 Euro Investment, um alte Gesichter zu sehen? Dort rechnet der eine oder andere. Und bei einigen fiel die Entscheidung gegen den Kongress. Was hat dies zu bedeuten? Der Preis ist nicht wirklich gestiegen. Ist der Preis zu hoch für das, was alte Hasen dort erleben können?
Eine Innovation des diesjährigen Kongresses zielte auf die alten Hasen: Es gab spezielle Workshops für Führungskräfte aus Nonprofit-Organisationen. Diese Führungskräfte (die einen Aufpreis zahlten) wurden mit einem besonderen Badge gekennzeichnet und konnten sich in eigene Räume zurückziehen.
Dies ist eindeutig der Versuch der Bindung einer speziellen Gruppe. Bleibt zu fragen, ob dieses Experiment gelungen ist. Gelingt eine höhere Identifikation mit dem Kongress, wenn Führungskräfte in kleiner Runde eigene Veranstaltungen haben? Hier würden wir uns über eine Auswertung freuen.
Note: 3 mit Potenzial zur 2 (?)
In Bezug auf das Networking gab es keine Verluste zu melden. Es funktionierte. Das jährliche Ritual unter den Fahrenden: Fahren wir zusammen? Schon sind die ersten zwei Stunden Networking auf der Fahrt gewonnen, ein bisschen Klatsch und Tratsch und auch einige aktuelle News. Auf dem Bahnhof in Fulda ging das Networking gleich weiter. Alte Bekannte wurden mit großem Hallo begrüßt. Dann ins Hotel, das Bett sichern, weiter zum Kongress und schauen, wer schon da ist. Und so lief es die ganzen Tage: Wer networken will, für den ist der Kongress ideal. Eigentlich stört nur das Programm ...
Gerne dafür genutzt: Die Abendtermine wie der Umtrunk im Keller beim Dienstleister und bei der Fundraising-Akademie im ersten Stock. Hier wurden in lockerer Atmosphäre mit einem Glas in der Hand eifrig Neuigkeiten ausgetauscht. Gemeinsame Mahlzeiten und der Kaffee zwischen den Veranstaltungen - der immer wieder schnell verschwunden war - bilden nach wie vor eine gute Möglichkeit zum Fachsimpeln, Gedankenaustausch und zum Kontakten. Für das Networking bleibt der Kongress unverzichtbar. Nirgendwo trifft man in kurzer Zeit so viele Kolleginnen und Kollegen auf engem Raum. Viele Gespräche ermöglichen einen Überblick über die wirklich aktuellen Trends und schaffen die Basis für Kooperationen und neue Projekte.
Note: 1 bis 2.
Eine kurze Begegnung während eines Kaffetrinkens stimmt nachdenklich. Eine junge Fundraiserin fragt, ob es finanzielle Unterstützung für Anfänger gebe. Sie hätte all ihr Geld zusammengelegt, um sich diesen einen Kongress leisten zu können. Sie hätte jetzt zwar den Abschluss der Fundraising Akademie, aber noch keine Stelle gefunden. An sich könne man sich als Anfänger den Kongress aber nicht leisten.
Note: Preis-Leistung = 4 bis 5 / Programm = 1 bis 2
Nur für Networking um die 1.000 Euro zu bezahlen, wäre teuer. Also ist das Programm bestimmt ein wesentlicher Punkt, um Teilnehmer zu binden. Wer die Programme der letzten fünf Jahren durchblättert, findet vieles irgendwie bekannt, einiges anders verpackt und die eine oder andere Perle.
Amerikaner und Briten waren wieder da, um uns in ihre Sicht der Dinge einzuweihen. Der Blick von außen ist manchmal wohltuend. Ansonsten gab es das große Büffet: Kaum ein Thema des Fundraisings, das nicht durch ein Seminar abgedeckt wurde. Die ständige Gefahr eines Fachkongresses: Es treffen Spezialisten auf Spezialisten und fragen sich: Ist das wirklich neu?
Ein weiteres Problem: Nach wie vor ist die Qualität der Veranstaltungen nicht gleich - von hervorragend bis wenig erträglich. Feed Back Bögen werden fleißig ausgefüllt. Doch wer gibt eigentlich eine Richtung vor?
Note: Von 1 bis 5
Der Deutsche Fundraising Verband möchte attraktiv sein. Gerade auch für Sponsoren, die in der Regel Dienstleister sind. Auch sonst ist ein großer Anteil der Kongress-Teilnehmern Berater oder Agenturleute. Sind „nicht bei einer Organisation angestellte" Fundraiser bzw. Fundraisingberater auf dem Kongress willkommen? Manche Äußerungen von Fundraisern lassen da Zweifel aufkommen.
Bis heute atmosphärisch nicht wirklich geklärt ist, wer ein willkommenes Verbandsmitglied ist. Wer wird nur geduldet? Wer wird sogar weggebissen? Eine wichtige Fragestellung, wenn man bedenkt, dass ein hoher Prozentsatz der Mitglieder des Verbandes nicht bei einer Organisation angestellt sind. Ein Verband für alle oder nur ein Verband für einige Hasen? Das Spannungsfeld bleibt weiter offen, weil einige Hasen auf der einen und einige auf der anderen Seite sich nicht benehmen können.
Note: Ungeklärt
2009 fiel zum ersten Mal auf, dass der Kongress irgendwie leerer war (oder war das Kongress Hotel gewachsen?). 600 Teilnehmer ist gut, aber nicht gut genug. Das bedeutet: Die Erfolgsgeschichte des Fundraising Kongresses ist nicht selbstverständlich und kann auch endlich sein.
Note: 3
Taugt also der Kongress zur Kundenbindung für den Deutschen Fundraising Verband? Festzustellen ist, dass nicht alle Mitglieder des Verbands auch auf dem Kongress sind. Nach unserer Schätzung fuhren nur knapp 1/3 der Mitglieder nach Fulda. Einige haben keine Zeit und für andere stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht (mehr).
Die Frage nach dem Erfolg des Kongresses stellt sich in zwei Richtungen:
A - Sind die Teilnehmer mit dem Kongress zufrieden?
B - Kann der Verband mit dem Kongress zufrieden sein?
Bei A hängt es etwas davon ab, ob man alter, junger oder mittlerer Hase ist. Den mittleren Hasen scheint es derzeit auf dem Kongress am besten zu gehen. B müsste der Verband beantworten. Uns kamen aber einige Fragen:
Auch in den Plenumsveranstaltungen ist die Frage nach der Profilbildung des Verbandes zu stellen. Denken wir dies einmal laut an einem kleinen Eindruck durch: Der Deutsche Fundraising-Preis. Hans-Wilhelm Gäb, der diesjährige Preisträger, ist ohne jeden Zweifel ein verdienstvoller Mann. Seine Vita ist voller besonderer Leistungen, als Sportler, im Beruf, in der Deutschen Sporthilfe und mit der Gründung von zwei Vereinen für Organspende. Wir gönnen ihm den Preis und haben keinerlei Fragen an seine Person oder Leistung.
Nur: In welchem Zusammenhang steht der Preisträger mit dem Fundraising Verband? Natürlich kann der Verband ein wenig Öffentlichkeit mit der Auszeichnung einer bekannten Person erreichen. Ist damit aber schon eine Wirkung gewonnen? Hans-Wilhelm Gäb wird kaum in irgendeiner Form noch einmal in der Szene des Deutschen Fundraising Verbandes gesehen werden. Wer wollte wen da warum in was einbinden?
Note: Programmqualität 1 bis 3 / Bindungsqualität 4
Bleibt am Ende die entscheidende Frage:
Ist der Kongress ein Grund, um Mitglied im Deutschen Fundraising Verband zu sein?
Wer den Kongress besucht, spart über den Mitglieder-Rabatt quasi seinen Mitglieds-Beitrag. Aber ist diese Ersparnis der Grund für eine Mitgliedschaft? Für den einen oder anderen, aber sicherlich nicht für die meisten Mitglieder.
Hilft der Kongress bei Geschäften und Karriere? Ja, Networking ist immer förderlich. Informelle Kontakte tragen manchmal weiter als offizielle. Aber das Networking kann man auch ohne Mitgliedschaft nutzen.
Was bleibt? Der Kongress ist sicherlich ein wichtiges Ereignis. Ob es aber zur Mitgliederbindung des Verbands beiträgt? Da setzen wir doch ein Fragezeichen.
Gesamtnote: 3*
*= Die Note bezieht sich nur auf die "Kundenbindungsqualität"
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 09-03
04. Mai 2009
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