von Kai Fischer
Jetzt ist es soweit. Die aktuellen Fälle von Datendiebstahl und das unverschämte Ausspionieren und Handeln von Daten soll zu gesetzlichen Änderungen führen.
Im Bundesdatenschutzgesetz soll die Opt-in-Regelung für alle Formen des Direktmarketings festgeschrieben werden. Das bedeutet: Kalt-Mailings und Kalt-Anrufe könnten in Zukunft ebenso verboten sein wie die unverlangte Zusendung von E-Mails oder das Zuschicken von Faxen. Adresshändler befürchten zu recht massive Einbußen in ihrem Geschäft. Und Fundraiser jammern, dass sie in Zukunft keine neuen Spender mehr gewinnen könnten. Auch der Deutsche Fundraising Verband sendet Mails, um das drohende Unheil abzuwenden. Der Untergang der Gesellschaft droht am Horizont als Menetekel.
Aber ist das Geschehen wirklich so schlimm?
Auch wenn jetzt einige Punkte zusammenkommen und das Verbot von Kalt-Ansprache für einige anscheinend überraschend droht, abzusehen war die Entwicklung schon länger.
Schon seit einiger Zeit gehen die Responseraten bei Kalt-Mailings zurück. Ein Indiz, dass zunehmend Menschen diese Form der Ansprache überdrüssig sind. Und es ist bekannt, dass die ersten Organisationen im europäischen Ausland schon längst aus Kalt-Mailings ausgestiegen sind. Neben viel zu geringen Responseraten wird auch die aggressive Form der Ansprache kritisiert und problematisiert.
Uns wundert dies nicht. Schließlich geschieht nur das, was Seth Godin schon vor knapp 10 Jahren allen Direktmarkteers prophezeit hat: In seinem Buch „Permission Marketing“ zeigt er auf, dass die bisherige Form der Kundenakquisition nicht weitergehen wird. Was sich vor zehn Jahren bei E-Mails gezeigt hat, gilt im Prinzip auch für die Belästigung mit Briefen und Anrufen. Die Menschen wehren sich.
Ist mit einem Verbot der Kaltansprache im Mailing die Stand-und Haustürwerbung die letzte Alternative, neue Spender zu gewinnen? Dies malen einige Kolleginnen und Kollegen als Szenario an die Wand.
Nur, machen wir uns nichts vor, auch die Ständen in den Fußgängerzonen und die Werber vor der Haustür werden vielfach als Belästigung wahrgenommen. Hohe Stornoraten der auf der Straße erzielten Abschlüsse belegen dies zusätzlich.
Wenn man sieht, wie viele Menschen den Blick abwenden und an den Ständen schnell vorbei gehen, dann wird es wohl nicht lange dauern, bis sich auch gegen diese Methode des Fundraisings Widerstand regt.
Statt auf dem bisherigen Pfad weiter zu laufen – oder das tote Pferd weiter zu reiten –, sollte es schleunigst gewechselt werden. Die Zukunft des Fundraisings sehen wir an anderer Stelle:
Auch wenn alle Fundraiser und Fundraiserinnen den Begriff „Relationship“ im Munde führen, scheint es doch angebracht, noch einmal über die Bedeutung dieses Begriffs nachzudenken.
Man kann auch die Beziehung des Pawlowschen Hunds zur Klingel als Beziehung betrachten. Dies ist aber sicherlich nicht das, was Ken Burnett in seinem Klassiker gemeint hat. Wie tatsächlich echte Beziehungen zwischen Menschen (und nicht zwischen Organisationen und Spendern) aussehen können, kann man unter anderem dort nachlesen.
Herkömmliches Direktmarketing funktioniert nicht im Internet. Die Nutzer verweigern sich einfach. Deshalb setzt Online-Fundraising auf einer anderen Logik auf. Partnerschaftliche Kommunikation und das Verfolgen gemeinsamer Ziele ist wichtiger als der permanente Aufruf zu spenden. Dann – aber auch nur dann – haben Sie die Chance, dass Menschen ihre Site freiwillig aufsuchen und vielleicht ihren Freunden und Bekannten von Ihnen und Ihrem Anliegen erzählen. Eine sicherlich mühsame, aber durchaus lohnende Art, neue Interessenten und Förderer zu gewinnen, die erwiesenermaßen deutlich höhere Beträge spenden.
Gerade im regionalen Bereich mit seinen durch Personen getragenen Netzwerken besteht noch ein erhebliches Potenzial neue Förderer zu gewinnen. Natürlich sind hier die regionalen Organisationen stärker. Aber auch alle bundesweit und international agierenden Organisationen können diese Chancen nutzen – wenn sie sich regional aufstellen.Regionales Fundraising arbeitet ohne Kaltmilings und Kaltanrufe.
Allen drei Punkten ist übrigens eins gemeinsam: Sie müssen anfangen als Mensch, der authentisch und integer ist, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Es reicht schon lange nicht mehr aus, einfach nur einen Brief zu schreiben. Auch eine datenbankgestützte Personalisierung und Individualisierung kann schon lange nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass es sich trotz allem Aufwand um eine Instant-Kommunikation mit kleinen Tricks handelt.
Interessenten und Förderer wollen die Menschen erleben, denen sie ihr Geld anvertrauen bzw. schenken. Und sie wollen teilhaben an einem größeren Ganzen. Stellen Sie beides sicher und Sie werden nie wieder Probleme mit staatlichen Regulierungen haben.
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 07-08
16. Oktober 2008
Am 29. Oktober in Hamburg.
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