Tipps für Ihr Fundraising in Zeiten der Finanzkrise
fundraising-innovativ-newsletter.gif

5 Tipps für Ihr Fundraising in Zeiten der Finanzkrise

wie fundraise ich unter erschwerten Bedingungen?

von Kai Fischer

 

Glauben wir den Auguren, dann sind nicht nur viele Milliarden Euro in den letzten Monaten vernichtet worden. Dann stehen wir auch vor einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise, die auch das Fundraising betreffen wird

 

Die ersten Vorboten sind in Sicht

Vom Jobabbau in Tausenderstärke in der Finanzbranchen und in der Automobilindustrie lesen wir fast täglich. Aber noch scheint die Situation ruhig zu sein. Weihnachtsgeschenke werden noch gekauft, glaubt man den ersten Zahlen des deutschen Einzelhandels. Ob auch die Spendeneingänge noch im Normalmaß liegen, wissen wir noch nicht. Auf erste Zahlen warten wir alle gespannt.

Trotzdem lassen sich erste Schlüsse ziehen

Denn eins ist klar: Auch wenn wir vielleicht doch keine ganz so tiefgehende Wirtschaftskrise bekommen: Milliarden von Euros sind nachweislich nicht mehr im Besitz der Menschen, die sich im Sommer noch auf der sicheren Seite wähnten.

Einige Trends haben wir im nächsten Jahr zu erwarten:

Rückgang der Großspenden

Eine Reihe der bisherigen Großspender sind massiv von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen. Nicht nur, dass viele Mittel mit dem Fall der Börsen weltweit vernichtet wurden. Auch die Schifffahrt boomt nicht mehr. Und hier haben aufgrund der Steuergesetze die Reichen richtig viel Geld verdienen können. Stockt die globale Weltwirtschaft, werden weniger Transport-Kapazitäten auf Schiffen benötigt und deshalb auch weniger Schiffe gebaut. Wo noch bis vor einem Jahr richtig verdient wurde, wird heute draufbezahlt. Auch hier schmelzen Einkommen und Gewinne. Es könnte sich heraus stellen, dass 2009 ein schlechtes Jahr für Großspender wird. Hiervon werden Universitäten und Kultureinrichtungen stärker betroffen sein als andere Organisationen.

Rückgang der Fördermittel von Stiftungen

Hoffen wir, dass die meisten Stiftungen ihr Kapital so nachhaltig angelegt haben, dass sie nur geringe Verluste in der Finanzkrise erlitten haben. Aber auch dann werden die Kapital-Erträge bei vielen Stiftungen zurück gehen. Finanztitel werden auf absehbare Zeit keine Renditen mehr erwirtschaften. Vergleichbar sieht es in der Automobilindustrie aus. Und ob die Banken noch ihre Zins-Zusagen halten können, werden wir erst im nächsten Jahr wissen, wenn bekannt ist, wer zu welchen Konditionen Gelder auf dem Kapitalmarkt aufnehmen und verzinsen kann. Es könnte deshalb auch ein schwieriges Jahr für alle Organisationen werden, die sich vorwiegend über Stiftungen finanzieren. Den einen oder anderen Ausfall sollten Sie einkalkulieren.

Unternehmenskooperationen

Wie werden sich die Unternehmen verhalten? Diese Frage können wir erst dann beantworten, wenn wir wissen, ob und wie stark aus der Finanz- eine Wirtschaftskrise geworden ist. Zumindest kann man davon ausgehen, dass die Branchen, die von der Finanzkrise heute schon betroffen sind, in den nächsten Jahren kaum Mittel für Nonprofit-Organisationen zur Verfügung stellen werden. Denn es ist immer schwierig einem Betriebsrat zu erklären, warum man gute Projekte fördert, wenn gleichzeitig Personal in erheblichem Umfang abgebaut wird. Und die aufziehende Wirtschaftskrise kann immer dazu führen, dass bisherige verlässliche Ansprechpartner sehr schnell ihre Arbeitsplätze verlieren oder neue Aufgaben übernehmen. Beides kann sich negativ auf Unternehmenskooperationen auswirken.

Was Sie heute tun können

Nicht immer bedeutet eine Wirtschaftskrise auch eine Krise im Fundraising.

Fünf Tipps, wie Sie Ihr Fundraising durch die Krise führen können

1. Fördererbindung hat eine immer größer werdende Bedeutung

Gerade in der Krise zeigt sich, wem es gelungen ist, seine Förderer eng zu binden. Nur dann, wenn den Förderer Ihre Organisation am Herzen liegt, werden sie sich entscheiden, notwendige Einschnitte in ihrem Budget an anderer Stelle zu setzen. Denn Sie konkurrieren nicht nur mit anderen Organisationen, sondern auch mit dem Blumenladen, dem Restaurant und auch dem Coffee-Shop.

2. Konzentrieren Sie sich auf Privatpersonen

Die meisten Mittel im Fundraising stammen von Privatpersonen aus ihrem persönlichen Einkommen oder ihrem Vermögen. Bei langfristiger, guter Bindung kann es Ihnen gelingen, Beziehungen zu etablieren, die auch eine Krise überdauern und damit die Existenz Ihrer Organisation nachhaltig sichern. Denn Beziehungen haben bei Privatpersonen eine andere Qualität als bei Personen, die im Namen von Unternehmen oder Organisationen handeln.

3. Verlassen Sie die ausgetretenen Wege

Krisenzeiten sind immer auch gute Zeiten, etwas Neues anzufangen. Vielfach gibt es jenseits der üblicherweise beschrittenen Wege noch ein reichhaltiges Potenzial, neue Förderer anzusprechen und zu binden. Gerade regionale Organisationen haben besondere Stärken, die, sie im regionalen Fundraising unbedingt ausspielen sollten.

4. Nutzen Sie das Internet

Nicht nur, dass Sie im Internet extrem kostengünstig kommunizieren können. Sie können auch neue Zielgruppen ansprechen und binden. Heute schon nutzen Millionen von Menschen das Internet und handeln hier. Beteiligen Sie sich an Kommunikation und Interaktion und sehen Sie zu, dass Sie Anschluss an bestehende Communities bekommen. Hier gibt es noch ein großes bisher von Nonprofit-Organisationen nicht erschlossenes Potenzial.

5. Kommunizieren Sie direkt

Immer noch gilt der alte Grundsatz: People give to people. Und dies meint nicht nur, dass die Spende einer Person zugute kommen sollte. Dieser Satz bedeutet auch, dass die Bittende auch als Person erkennbar sein muss. Deshalb: Verstecken Sie sich nicht hinter Briefen oder anderen Formen der Technik. Zeigen Sie Ihr Gesicht und sprechen Sie direkt mit potenziellen Förderern. Denn je direkter Ihr Kontakt, desto größer Ihr Erfolg - auch in Zeiten der Krise.

Sie machen dies alles schon?

Dann herzlichen Glückwunsch. Sie haben damit gute Voraussetzungen, auch in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise erfolgreich im Fundraising zu sein.