Blogs im Fundraising - Fallbeispiel ChezPim - Blog und Charity - Spendenaktion über Blog
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Kennen Sie Pim?

Oder wie man während der Finanzkrise 62.000 $ mit einem Blog einwirbt

von Kai Fischer

Fundraising im Web 2.0 funktioniert anders. Wie gelingt es einer Frau,
über ihren Blog jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag einzuwerben?
EIn Fallbeispiel aus der Blogosphäre.

 

Wie blogge ich 62.000 Dollar?

Pim Techamuanvivit ist Bloggerin. Ihr Blog heißt ChezPim. Sie bloggt seit einigen Jahren über Food. Pim Techamuanvivit ist Thai, die in der Nähe von San Francisco lebt. Das ist soweit noch nichts Besonderes.

Zum Blog von Pim Techamuanvivit

Online-Spenden über einen Food-Blog

Das Besondere an Pim ist, dass Sie seit fünf Jahren zu Weihnachten ihren Blog nutzt, um Spenden zu sammeln. Vor fünf Jahren ging es los. Der Tsumani Weihnachten 2004 war der Startpunkt. Auch Pim wollte helfen und startete auf ihrem Blog „Menu for Hope", ihre Hilfsaktion. Sie bat um ihre Leser/innen um Spenden und die ersten gingen ein. Es waren noch nicht die Summen wie in den letzten Jahren, aber sie ermutigten Pim, auch im nächsten Jahr wieder um Spenden zu bitten.

Raffle als Erfolgsfaktor

Der Erfolg in ihrem Fundraising kam im dritten Jahr. Jetzt bat sie nicht mehr nur um Spenden, sondern führte ein Raffle - eine Art Tombola - ein. Sie sammelte unter ihren Lesern und anderen Food-Bloggern Sachspenden: Vom Gutschein für ein Essen für zwei im Zweisterne-Restaurant über die Kiste Wein und ein Paket Cookies bis hin zum Kochbuch ist so ziemlich alles vertreten, was Menschen, die einen Food-Blog lesen, anbieten oder interessieren könnte.

Sachspenden werden weltweit verlost

In den Wochen vor Weihnachten geht's los: Die Leser des Blogs können für die einzelnen Sachspenden Lose kaufen. Jedes Los kostet 10 $. Jeder kann unbeschränkt Lose kaufen - mehrere für eine Spende oder auch für verschiedene Gegenstände gleichzeitig. Hat man alleine für ein Los geboten, bekommt man den Preis. Gehen mehrere Gebote ein, wird gelost. Das Kaufen mehrerer Lose für einen Preis erhöht also die Wahrscheinlichkeit, dass man auch den Zuschlag bekommt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

In der Saison 2007/08 wurden mehr als 85.000 $ erlöst. In der gerade abgeschlossenen Saison waren es immerhin noch mehr als 62.000 §. Der Rückgang ist sicherlich der Rezession geschuldet, die in den USA und UK schon sehr viel stärker die Bevölkerung als in Deutschland erreicht hat.

Weltweite Unterstützung und Aufmerksamkeit

Die Spenden gingen in den letzten Jahren an der Welternährungsprogamm der UN und haben in den letzten beiden Jahren Schulspeisungsprojekte im südlichen Afrika mit ermöglicht. Ist das Projekt sicher? Ja, denn Pim und ihre Mitstreiter bekommen die Spenden gar nicht in die Hand. Die Geldtransaktion wird von einem speziellen Dienstleister durchgeführt. Firstgiving zieht die Spenden automatisch ein und überweist den Betrag an die UN. Pim macht die Aktion freiwillig und erhält aus den Spenden keine Vergütung.

Pims Blogosphäre

Mehr als 800 Blogger weltweit unterstützen die Aktion und machen auf Menu for Hope aufmerksam. Wenn sie nicht selbst mit einer Sachspende vertreten sind, sorgen sie für die notwendige Aufmerksamkeit, ohne die die Aktion nicht so ein Erfolg würde.

Was lernen Fundraiser/innen von Pim?

Wir sehen hierin eine neue Dimension des Online-Fundraisings. Denn:
Fundraising machen nicht nur ausgebildete Fundraiser/innen in Nonprofit-Organisationen. Gerade im Internet kann jeder seinen eigenen Spendenaufruf starten

Die Community bringt den Erfolg

Erfolgreiches Online-Fundraising basiert auf einer bestehenden Community. Es reicht nicht mehr aus, einfach einen Spendenaufruf zu versenden. Vielmehr besteht die Community zuerst, dann kommt das Fundraising. Die Community muss nichts mit Fundraising zu tun haben. Sobald sich eine kritische Masse an Menschen zu einem Thema treffen, kann in der Community eine Sammlung entstehen. Mit Hilfe von klassischen Verstärkern werden aus Sammlungen Fundraising-Aktivitäten, die auch größere Summen bewegen können.

Um Spenden bitten können nur Mitglieder der Community

Spendenaufrufe kann nur jemand posten, der für die Community auch Beiträge erbracht haben. Einen Spendenaufruf von außen als Fremder in eine Community zu posten, ruft eher Abwehr hervor und führt nicht zum Ziel.
Einen Beitrag kann nur leisten, wer authentisch kommuniziert. Bei einer authentischen Kommunikation muss der Sender als Person erkennbar bleiben. Alle Äußerungen werden auf die Person zurück bezogen.

Communities sind nicht kontrollierbar

Professionelles Fundraising wird somit immer aufwendiger. Eine Kontrolle der Botschaften gelingt immer seltener. Die gute Botschaft für alle kleineren Organisationen: Je mehr Unterstützer Sie im Internet haben, desto einfacher wird das Online-Fundraising. Sie können es zu einem großen Stück auf Freiwillige verlagern. Das erhöht die Reichweite ihres Fundraisings ungemein. Aber Sie müssen die Freiwilligen auch führen und betreuen. Diese Aufgabe wird bleiben.