von Kai Fischer und Ehrenfried Conta Gromberg
Die folgende Fassung ist die Erstveröffentlichung unserer 10 Fundraising Mythen. Eine Langfassung ist in Vorbereitung, bei der wir die Mythen und unsere Thesen näher erläutern.
Glauben Sie noch an „das" Fundraising, das für alle Organisationen gleich ist? Wir nicht. Regional tätige Organisationen haben andere Stärken und Möglichkeiten als bundesweit aufgestellte Organisationen. Wir denken, es ist an der Zeit hierauf Rücksicht zu nehmen und anzufangen, Fundraising deutlich zu differenzieren. (Übrigens gibt es auch unterschiedliche Verständnisse, was Fundraising ist und welche Aufgabe es hat).
Klar sind Mailings wichtig und gehören irgendwann in die Werkzeugkiste einer Organisation. Aber wir sehen nicht, dass Mailings der Königsweg sind, um Beziehungen aufzubauen. Es gibt ein Fundraising jenseits eines massiven Mailing-Einsatzes. Wir behaupten: Dies ist gerade für regionale Organisationen günstiger, bringt mehr und baut tiefere Beziehungen auf. Viele Organisationen sollten daher ihr Fundraising lieber ganz ohne Mailings starten.
Stiftungen erleben einen Boom. Sie gelten als wichtiges Instrument im Fundraising. Leider werfen die meisten Stiftungen so wenig Ertrag ab, dass von Stiftungen nicht die NPO, sondern Stiftungsverwalter und Banken profitieren. Schlimmer noch: Das Kapital wird der Organisation entzogen und am Kapitalmarkt geparkt. These: In den meisten Situationen sollte ohne eine Stiftung gefundraist werden.
Gemeinhin werden Unternehmen mit Geld assoziiert, das sie doch auch den Nonprofit-Organisationen zur Verfügung stellen könnten. Viele Fundraisingkonzepte nennen daher als erste Bezugsgruppe Unternehmen. Aber Unternehmen werden in ihrer Rolle als Förderer vielfach überschätzt. Selbst in den USA tragen Unternehmen nur zu weniger als 5% aller Mittel im Dritten Sektor bei. Wir raten dringend dazu, anders zu denken.
Wer gibt schon gerne Geld für Fundraising aus, das doch „eigentlich" für den guten Zweck gedacht ist? Aber ein Fundraising ohne ausreichendes Budget wird nicht funktionieren. Deshalb ist es notwendig, dass in Qualität, in Marke, Marketing und Fundraising investiert wird. Unsere These: Fundraising ohne Kosten ist nichts wert.
Glauben Sie daran? Wünschen Sie sich das? Dann werden Sie scheitern. Denn dann ist es so, dass angestellte Fundraiser/innen mit der Aufgabe, Geld zu besorgen, allein gelassen werden. Alle anderen Mitarbeiter/innen sind froh, die ungeliebte Aufgabe los zu sein. Sie können sich wieder ihren „eigentlichen" Aufgaben widmen. Ohne Rückhalt und ohne Anbindung scheitert der Kollege und damit Ihr Fundraising und damit Ihre Organisation.
Agenturen sind im Fundraising wichtig und können viel. Aber können Sie Ihr Fundraising außer Haus geben? Nein. Zumindestens sollten Sie es nicht tun, wenn Sie wirklich Erfolg haben wollen. Sie müssen Ihre Marke und Ihr Fundraising individuell entwickeln. Marke, Marketing und Fundraising wird immer die zentrale Aufgabe Ihrer Organisation bleiben. Mission based Agenturen können dabei helfen, beraten, unterstützen und gestalten. Agenturen, die Ihnen Ihre Kernkompetenz aus der Hand nehmen, sollten Sie meiden.
Provisionen im Fundraising mindern nicht das Risiko, sondern schaffen an vielen Stellen neue Risiken und Probleme. Uns ist keine Situation bekannt, in der Provisionen tatsächlich helfen. Je länger im Dritten Sektor mit Provisionen gearbeitet wird, um so mehr Schaden entsteht für die Bürgergesellschaft und alle Organisationen. Suchen Sie daher Berater, Agenturen und Mitarbeiter, die freiwillig (mission based) ohne Provisionen gute Leistungen bringen.
Natürlich ist der ROI wichtig. Was passiert, wenn Sie Ihre Kommunikation streng nach dem ROI planen? Sind dann die Dank-Schreiben und der einfache Kontakt zugunsten einer Spendenbitte unterblieben? Arbeiten Sie nur noch mit Not-Mailings, weil diese einen besseren Response bringen? Dann sollten Sie sich mal Gedanken machen, welche Auswirkungen dies auf die Beziehungen zu Ihren Förderern hat. Vielleicht zerstören Sie mit einer kurzfristigen Optimierung die nachhaltige und langfristige Qualität und damit auch Ihre eigene ökonomische Basis.
Wir glauben tatsächlich, dass dies der größte und problematischste Mythos von allen ist: Fundraising wird falsch verstanden und deshalb einseitig auf das Einwerben von Geld reduziert. Dabei basiert Fundraising auf dem Geben, einer einseitigen Handlung und nicht auf dem Tausch auf einem Markt. Die Basis sind daher Beziehungen und der Wunsch, gemeinsam etwas zu gestalten. Alle anderen Vorstellungen führen in die Irre und zu massiven Problemen.
Sie können Ihr Fundraising an niemanden delegieren. Fundraising müssen Sie - wenn Sie einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg wollen - in Ihrer Organisation verankern. Jeder Versuch, sich um diese notwendige und schwierige Aufgabe herumzudrücken, führt unweigerlich in eine der oben beschriebenen Sackgassen. Allerdings brauchen Sie zur Umsetzung und zur Einführung Professionals unterschiedlicher Qualifikation. Die Zusammenarbeit mit mission based Agenturen und Dienstleistern kann Prozesse beflügeln und Qualität sichern.
Es gibt nicht „das" Fundraising. Fundraising ist stark ausdifferenziert. Gerade regional tätige „Mittelständler" haben andere Stärken und Ressourcen als bundesweit und international agierende Organisationen. Sie benötigen deshalb auch andere Formen und Methoden im Fundraising. Dies wird bisher viel zu selten berücksichtigt.Aus diesem Grunde steht Spendwerk auch für regionales Fundraising
Fundraising innovativ
ISSN 1866-6655
Ausgabe Nr. 08-03
5. Mai 2008
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